Arcandor : Eick ist der Mann der Zahlen

Bei der Telekom hat sich Karl-Gerhard Eick als Finanzprofi bewährt. Jetzt kommen neue Aufgaben - bei Arcandor.

BerlinWarum macht er das? Diese Frage musste Karl-Gerhard Eick sich wohl hundertfach anhören und darüber lesen, als Anfang dieses Jahres seine Nominierung zum neuen Arcandor-Chef bekannt wurde. Vielen Beobachtern bleibt es ein Rätsel, warum Eick, der sparsame Schwabe und nüchterne Zahlenmensch, der einen guten Ruf in der Finanzwelt genießt, sich diese schier unlösbare Aufgabe aussuchte, den strauchelnden Warenhaus- und Touristikkonzern Arcandor aus der Krise führen zu wollen. Auf der ersten Hauptversammlung, auf der er im März als Vorstandschef zu den Aktionären sprach, hatte Eick die Frage in seiner Rede selbst aufgenommen – ohne sie wirklich zu beantworten.

Ziemlich sicher ist, dass der 55-Jährige eigentlich lieber Chef der Deutschen Telekom geworden wäre. Neun Jahre lang führte er erfolgreich das Finanzressort des Konzerns und erwarb sich hohe Anerkennung. Er schaffte es nicht nur, den hohen Schuldenberg von zeitweise annähernd 70 Milliarden Euro auf ein solides Maß zu reduzieren. Auch an strategischen Entscheidungen war er maßgebend beteiligt. Er kannte die Telekom so gut, dass er sowohl für Telekom-Chef René Obermann als auch für dessen Vorgänger ein wichtiger Berater war. Als dienstältestes Mitglied im Vorstand war er zugleich der ruhende Pol. Zeitweise fungierte er sogar zusätzlich als Personalchef, weil man sich im Aufsichtsrat nicht auf einen geeigneten Kandidaten für den Posten einigen konnte.

Doch ganz nach oben an die Spitze schaffte er es nicht. Zweimal, bei der Ablösung von Ron Sommer und von Kai-Uwe Ricke, wurde er übergangen. Um Vorstandschef zu werden, musste er die Telekom offenbar verlassen.

Sein ganzes Berufsleben hat Eick mit Zahlen zugebracht. Anfang der 80er Jahre startete der promovierte Betriebswirt seine Karriere bei BMW, wo er zuletzt das Controlling leitete. In der Folge verantwortete er das Controlling bei WMF und der Carl Zeiss Gruppe. 1993 übernahm er im Handelskonzern Haniel den Finanzvorstand beim Arzneimittelgroßhändler Gehe. Von 1998 bis 1999 war er im Haniel-Vorstand für die Finanzen zuständig. Dann holte Ron Sommer Eick zur Telekom. Zu Sommers Zeiten blieb der Finanzfachmann mit dem sorgfältig zurückgekämmten schwarzen Haar etwas blass. Doch unter dem Nachfolger Ricke gewann der Manager an Profil – und trat auch in der Öffentlichkeit immer selbstsicherer auf.

Eine so schillernde Gestalt wie der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ist Eick bei weitem nicht. Als Finanzprofi brauchte er aber nur kurze Zeit, um zu erkennen, wie schlecht es um Arcandor und Karstadt wirklich steht. Aber es wird nicht reichen, die Finanzen in den Griff zu bekommen. Eick braucht auch eine tragfähige Geschäftsidee. vis

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