Arcandor : Generalbevollmächtigter Piepenburg legt Mandat nieder

Mit großen Hoffnungen hatte Horst Piepenburg den Posten des Insolvenzverwalters am 9. Juni angetreten, um Arcandor erfolgreich zu sanieren. Nun legt er sein Mandat wegen mangelnder Unterstützung nieder

"Ich übernehme keine aussichtslosen Mandate", hatte Horst Piepenburg noch vor einem Monat gesagt. Das Versprechen, das der Düsseldorfer Rechtsanwalt Anfang Juni vor der Arcandor-Zentrale in Essen abgab, weckte Hoffnungen auf eine bessere Zukunft für den Handelskonzern. Der 55-Jährige gilt als einer der besten Insolvenzspezialisten in Deutschland. Zuletzt hatte er einige hoffnungslose Fälle saniert, darunter 2002 den Oberhausener Babcock-Konzern.

Nun gibt er vorzeitig auf. Eine Insolvenz in Eigenregie könne nur mit Unterstützung der Gesellschafter Erfolg haben: "Die Unterstützung des Großaktionärs der Arcandor AG Sal. Oppenheim gibt es heute positiv nicht. Deshalb hat die Eigenverwaltung keine Grundlage", teilte Piepenburg am Donnerstag mit. Er werde die Restrukturierung als Berater in Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg weiter unterstützen und sich um den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze bemühen.

Damit steht die Sanierung von Arcandor infrage. Piepenburg gilt als wichtigste Figur hinter der Idee, den Konzern in Eigenregie umzubauen. Der Jurist sollte neben dem Konzernchef Karl-Gerhard Eick die Geschicke des Unternehmens leiten.

Die Firmengruppe mit den großen Säulen Karstadt, Quelle und der Mehrheitsbeteiligung am Tourismusunternehmen Thomas Cook braucht Millionenbeträge, um sich erfolgreich zu sanieren. Für den Neuanfang hatte Piepenburg nach Informationen aus Handelskreisen auf die Privatbank Sal. Oppenheim gehofft, die 24,9 Prozent der Anteile hält. Vertreter der Bank hatten sich offenbar in einem Gespräch am gestrigen Donnerstag geweigert, weiteres Geld nachzuschießen. Daraufhin hatte sich Piepenburg zum Rücktritt entschieden.

Görg betonte zwar, dass dies am weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens nichts ändere und alle Optionen zur Sanierung des Unternehmens weiterbestünden. Die mutmaßliche Weigerung einer selbst im Unternehmen stark engagierten Bank, weiteres Geld nachzuschießen, könnte aber auch von anderen Marktteilnehmern als Signal gewertet werden.  

Arcandor-Vorstandschef Karl Gerhard Eick sagte: "Bis Mitte August werde ich alle gebotenen Chancen nutzen, Investoren für die Umsetzung eines Sanierungskonzeptes zu gewinnen und damit für den Erhalt der Arcandor AG und ihrer Arbeitsplätze." Sollte er nicht fündig werden, droht dem Konzern die Zerschlagung. Bis Ende August sollen die Insolvenzverfahren laufen. Arcandor hatte am 9. Juni Insolvenz angemeldet.

Quelle: ZEIT ONLINE, sh, dpa, Reuters, 16.7.

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