Arcandor : Insolvenzverwalter will Karstadt ganz erhalten

Im Karstadt-Insolvenzverfahren infolge der Arcandor-Pleite sinken die Chancen der Wettbewerber, sich die besten Teile der Warenhauskette zu sichern.

Christoph Schlautmann (HB)

Essen -  „Wir halten Karstadt für eine Gesellschaft, die alleine überlebensfähig ist“, sagte Insolvenzanwalt Rolf Weidmann dem „Handelsblatt“. Einen Teilverkauf von Karstadt an Interessenten wie Metro oder Sportscheck werde es vorerst nicht geben. Derzeit arbeite man an einem Insolvenzplan, der den Gläubigern eine höhere Entschädigungsquote biete als die Zerschlagung des Unternehmens.

Für die Kaufinteressenten von Karstadt-Teilen ist das eine überraschende Wende. Erst kürzlich hatte Metro-Chef Eckhard Cordes dem Management beim Konkurrenten in Essen noch vorgeworfen, durch das Hinauszögern der Verkaufsverhandlungen die Ertragskraft von Karstadt weiter zu schwächen.

Dass Karstadt im Insolvenzverfahren die Restrukturierung gelingt, steht auch für den Sanierungsexperten Thomas Fox nach den ersten Verhandlungen mit Vermietern außer Frage. „Wir haben erstaunliche Zugeständnisse von ihnen erhalten“, sagte der Handelsexperte der Berliner Managementberatung Modalis, die die Warenhauskette im Auftrag des vorläufigen Insolvenzverwalters fit für den Verkauf machen soll. „Inzwischen sieht es danach aus, dass wir wohl einige Filialen von der Prüfliste mit 19 Häusern streichen können“, berichtet er. Auch auf der Lieferantenseite sieht Fox erste Erfolge. Ab dem 1. September würden der Mülheimer Kreditversicherer Euro Delkredere und die Zurich-Versicherung Karstadt-Lieferanten wieder gegen Ausfallrisiken absichern.

Insbesondere Lieferanten aus Fernost hätten durch die Karstadt-Pleite erheblich Geld verloren. „Indirekt waren wohl mehr als eine Million Mitarbeiter betroffen“, hat Fox errechnen lassen. Umso bemerkenswerter sei es, dass man im Importbereich nicht einen Lieferanten verloren habe. Auch Markenartikler wie Adidas, die schon vor der Insolvenz ihre Lieferungen eingestellt hatten, seien wieder an Bord. „98 Prozent der Hersteller sind uns treu geblieben“, sagt Fox. Abstriche musste die insolvente Warenhauskette allerdings bei ihrem Einkaufsdienstleister Li & Fung in Hongkong machen. Während die Chinesen früher Zahlungsziele von bis zu einem halben Jahr anboten, müssen die Rechnungen nun weitaus kurzfristiger beglichen werden.

Derzeit bemühen sich die Sanierer, Altlasten aus der Zeit von Arcandor-Chef Thomas Middelhoff abzuwerfen. Dazu zählen insbesondere sogenannte Upfront-Verträge: An den IT-Dienstleister Atos Origin, das Logistikunternehmen DHL, die Einkaufsorganisation Li & Fung und an mehrere Immobilienfirmen hatte Karstadt damals gegen hohe Zahlungen Firmenteile abgegeben. Die im Gegenzug vereinbarten teuren Dienstleistungs- und Mietverträge belasten nun aber die Warenhauskette erheblich. „Hier müssen wir zurück zu marktüblichen Konditionen“, fordert Fox. Neben Vermietern und Lieferanten erwartet Fox auch von den Mitarbeitern weitere Zugeständnisse. Christoph Schlautmann (HB)

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