Arcandor-Krise : Wie geht es mit dem KaDeWe weiter?

Krise bei Arcandor: Ein Radikalumbau soll den Konzern retten. Luxus passe nicht mehr zu Karstadt, meint der Chef. Wie geht es mit Karstadt, Quelle und dem KaDeWe weiter?

Stefan Kaiser
271062_3_xio-fcmsimage-20090420223854-006003-49ecdd5e5a37d.heprodimagesfotos84120090421arcandor1.jpg Foto: ddp
Reparaturbedürftig. Der Arcandor-Konzern braucht dringend Geld. Derzeit wird mit Banken und dem Staat verhandelt. -Foto: ddp

Berlin Mit einem radikalen Umbau kämpft der Touristik- und Handelskonzern Arcandor um sein Überleben. Luxuskaufhäuser wie das Berliner KaDeWe sollen dabei ebenso ausgegliedert werden wie acht normale Karstadt-Kaufhäuser, 1500 Shops der Versandhandelsmarke Quelle und 115 Quelle-Technik-Center. Sie zählen künftig nicht mehr zum Kerngeschäft des ehemaligen Karstadt- Quelle-Konzerns und könnten mittelfristig verkauft oder geschlossen werden. Von dem Umbau seien rund 12 500 der 86 000 Konzernmitarbeiter betroffen, sagte Vorstandschef Karl-Gerhard Eick am Montag.

Arcandor will sich künftig stärker auf das profitable Touristikgeschäft der Konzerntochter Thomas Cook konzentrieren. In der Versandhandelssparte Primondo (Quelle) soll das reine Versandgeschäft per Katalog und Internet erhalten bleiben. Die Zahl der Karstadt- Kaufhäuser im Kerngeschäft soll von 92 auf 81 schrumpfen.

Neben den Nobel-Häusern KaDeWe, Alsterhaus (Hamburg) und Oberpollinger (München) sollen acht weitere Häuser in Kiel, Hanau, Kaiserslautern, Hamburg, Bottrop, Leipzig, Ludwigsburg und München in die neue Gesellschaft mit Namen Atrys ausgegliedert werden, dazu eine der bisher 28 Karstadt-Sport-Filialen. Bei vier der Kaufhäuser wird bereits konkret über eine Umwandlung in Einkaufscenter verhandelt.

Die ausgegliederten Teile des Konzerns werden künftig von einem separaten Vorstandsressort geführt. Dort sollen sie „weiterentwickelt“ werden, wie Eick versicherte. Das kann ihren Fortbestand in anderer Form, Partnerschaften, aber auch deren Verkauf oder die Schließung bedeuten. Innerhalb von drei Jahren sollen laut Eick Lösungen gefunden werden. Dabei würden alle Optionen geprüft. Ziel sei es, die Zahl der betriebsbedingten Kündigungen so klein wie möglich zu halten.

Die neue Gesellschaft wird getrennt in der Bilanz geführt. Die in ihr geparkten Geschäfte hätten durchschnittlich jährlich rund 300 Millionen Euro Verlust angehäuft, sagte Eick. Dies gelte jedoch nicht für die drei Luxuswarenhäuser. Diese seien profitabel.

Mit dem Abschied vom Luxusgeschäft vollzieht Eick einen radikalen Schwenk in der Unternehmensstrategie. Sein Ende Februar zurückgetretener Vorgänger Thomas Middelhoff hatte noch explizit auf das Luxussegment gesetzt und wollte es durch die Eröffnung weiterer Kaufhäuser ausbauen.

Eick sieht Karstadt dagegen auf dem Weg in die „profilierte Mitte der Gesellschaft“, wie er sagte. „Die Kerngruppe ist vorwiegend weiblich und 35 bis 65 Jahre alt“, beschrieb der seit März amtierende Chef den künftigen Karstadt-Kunden. Dieser sei „familienorientiert“, „bürgerlich“ und „dem klassischen Wertesystem verbunden“. Zur Kernzielgruppe zählen dabei bereits Haushalte mit einem Nettoeinkommen von deutlich unter 2000 Euro. Die Karstadt-Filialen sollen künftig mehr Mode- und Sportartikel anbieten. Das Angebot an Multimedia- und Freizeitartikeln soll dagegen eingeschränkt werden.

Die Gewerkschaft Verdi warnte vor einem möglichen Verkauf der Luxushäuser. Dies wäre eine grundlegende Fehlentscheidung, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende und Arcandor-Aufsichtsrätin Margret Mönig-Raane.

Für den Umbau benötigt der Konzern nach eigenen Angaben in den nächsten fünf Jahren zusätzliche Mittel von bis zu 900 Millionen Euro. Dafür sei die Unterstützung aller Beteiligten notwendig. „Allein mit den Banken wird es nicht gehen“, sagte Arcandor-Chef Eick am Montag.

Der ehemalige Telekom-Manager lotet bereits seit Wochen die Möglichkeit staatlicher Hilfen aus. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums sagte am Montag, der 100 Milliarden Euro schwere Rettungsfonds der Bundesregierung stehe auch Arcandor offen, sollte sich das Unternehmen für diese Möglichkeit entscheiden. Die Zeit drängt: Anfang Juni läuft ein Kredit über 650 Millionen aus. Bis Ende des Jahres muss der Konzern insgesamt 950 Millionen Euro an Krediten verlängern.

Auch die Hauptaktionäre – die Privatbank Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz – sollen ihren Teil zur Sanierung des traditionsreichen Kaufhauskonzerns beitragen. Man führe derzeit Gespräche über eine Kapitalerhöhung, sagte Vorstandschef Eick. Eine Planinsolvenz, wie sie am Wochenende diskutiert werde, „steht nicht auf unserer Prioritätenliste“, sagte Eick.

Informationen im Internet unter: www.tagesspiegel.de/kadewe

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben