Arcandor : Madeleine Schickedanz könnte alles verlieren

Arcandors Anteilseigner – darunter Großaktionäre wie Madeleine Schickedanz und die Gesellschafter der Privatbank Sal. Oppenheim – werden bei der Verwertung des insolventen Konzerns mit ziemlicher Sicherheit leer ausgehen.

Christoph Schlautmann (HB)
Schickedanz
Madeleine Schickedanz. Sie hält noch 21,5 Prozent der Arcandor-Aktien. -Foto: p-a/dpa

Essen - Die Arcandor-Aktionäre werden wohl leer ausgehen. Das deutete Rolf Weidmann, Partner der mit der vorläufigen Insolvenzverwaltung beauftragten Kanzlei Görg, im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ an. Die Aktionäre des Konzerns seien im beantragten Insolvenzverfahren nur „nachrangige Gläubiger“, sagte Weidmann, der den Fall Arcandor in der Kanzlei Görg operativ bearbeitet. Zu holen sei für sie nur noch dann etwas, wenn bei der Verwertung des Konzerns 100 Prozent der Gläubigerforderungen befriedigt würden und darüber hinaus Eigenkapital übrig bliebe. „Dazu müsste schon ein Wunder geschehen“, hieß es in Konzernkreisen.

Für Quelle-Erbin Schickedanz endet das 1999 eingefädelte Zusammengehen mit Karstadt also voraussichtlich mit einem Totalverlust. Denn ihre Arcandor- Aktien, die nur noch mit einem Wert von knapp 20 Millionen Euro an der Börse gehandelt werden, sind damit – wie auch die restlichen Papiere – faktisch wertlos.

Auch eine Mitsprache bei der Verwertung einzelner Konzernteile wird es für Schickedanz und die anderen Anteilseigner nicht geben. Nur im Fall eines Insolvenzplans für die Konzernholding Arcandor AG hätten Görg und seine Anwälte die Aktionäre einbinden müssen. Einem Verkauf von Konzernteilen etwa hätten sie zustimmen müssen. Dazu jedoch wird es laut Weidmann nicht mehr kommen. Denn nun soll die Arcandor AG, sobald das Insolvenzverfahren am 1. September eröffnet ist, zunächst eine sogenannte Abwicklungsfunktion erhalten und anschließend liquidiert werden. Grund: Die Großaktionäre weigern sich, die Sanierung finanziell zu unterstützen, so dass auch von anderen Gläubigern wie Lieferanten und Vermietern keine Zugeständnisse für einen Rettungsplan zu erwarten sind.

Darauf aber hatten Klaus Hubert Görg und seine Anwälte zunächst gehofft. Sogar ein Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung hatte man zunächst angekündigt und dazu den Insolvenzexperten Horst Piepenburg als Generalbevollmächtigten im Management verankert. Der aber trat vom Amt zurück, weil ihm die Alteigentümer die finanzielle Unterstützung verwehrten. Bei Sal. Oppenheim hieß es dazu, man wolle dies nicht kommentieren. Auch ein Sprecher der Madeleine Schickedanz Vermögensverwaltung lehnte eine Stellungnahme ab. Die erfolgreiche Wiederholung eines Insolvenzverfahrens wie bei der früheren Karstadt- Tochter Sinn-Leffers wird es daher nicht geben. Die Finanzspritze eines Eigentümers hatte Sinn-Leffers wieder aufgeholfen, woraufhin sich weitere Gläubiger zu Zugeständnissen bereit erklärten.

In Kreisen von Arcandor fragt man sich allerdings, ob die Großaktionäre des Konzerns überhaupt noch zu finanziellen Hilfen in der Lage wären. Sal. Oppenheim gilt inzwischen selbst als so stark angeschlagen, dass das Geldhaus die Unterstützung der Deutschen Bank benötigt. Und Madeleine Schickedanz behauptete jüngst in einem Interview, ihren Unterhalt mit 600 Euro im Monat und Erträgen aus ihrer Gartenarbeit bestreiten zu müssen. Christoph Schlautmann (HB)

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