Arcandor : Unersättlicher Italiener

Wird Maurizio Borletti der neue starke Mann bei Karstadt und Kaufhof? Ein Metro-Sprecher dementierte das. Doch fest steht: Borletti besitzt bereits vier Prozent an den Immobilien von Arcandor – und womöglich bald die fusionierte Warenhaus AG aus beiden Konzernen.

Paul Kreiner

Rom - Borletti, der Italiener, hat jedenfalls großes Interesse an Kaufhäusern. Mit vier Prozent Anteil hat er sich an die Spitze der größten Handelskette im Land gesetzt. Dann übernahm er die Führung bei Printemps, den französischen Edelkaufhäusern. Und 2008, als Kaufhof schon einmal zum Verkauf stand, hat Borletti sein Interesse bekundet. Was Arcandor betrifft, so lässt er nur ausrichten, man sei „an Gesprächen beteiligt“, die „delikate Situation“ aber verbiete weitere Äußerungen.

Maurizio Borletti, der Römer mailändischer Abstammung, ist gerade 42 Jahre alt, hat aber bereits eine beachtliche Karriere hinter sich. Mit ihm ist, in dritter Generation, eine Familie zu ihren Ursprüngen zurückgekehrt. Maurizios Großvater Senatore, ein Nachfahre des österreichischen Feldmarschalls Radetzky, etablierte 1917 die Kaufhauskette „La Rinascente“. Dem für Teures zuständigen Verbund ließ Senatore 1928 die billigere Kette Upim folgen. Das lief gut; in der zweiten Generation aber folgte die Krise. La Rinascente/Upim wurde an die Fiat-Familie Agnelli weitergereicht. Dann kam Maurizio Borletti. Die nach Paris ausgewanderte Verwandtschaft ermöglichte ihm zuerst eine Karriere, dann einen Einstieg beim Tafelsilber-Hersteller Christofle, den er sanierte und später verkaufte.

Kurz danach, 2005, holte sich Borletti das Unternehmen seiner Familie zurück. Zehn Millionen Euro soll er ausgegeben haben für vier Prozent an La Rinascente/Upim; den Rest steuerte eine Gemeinschaft aus Pirelli-Konzern, Deutscher Bank und Investoren bei. Borletti wurde Präsident – mit dem Ziel, La Rinascente zu „Kathedralen des Luxus“ zu machen. Heute betreibt er 13 Häuser; dazu 150 Upim-Warenhäuser. Insgesamt kommt Borletti auf 900 Millionen Euro Umsatz und 65 Millionen Euro Vorsteuergewinn.

2006 setzte sich „der unersättliche Italiener“ („Le Monde“) im Rennen um Printemps durch, flankiert wieder von italienischen Geldgebern und Deutscher Bank. Borletti wollte mit La Rinascente zusammen eine Art „europäischen Luxuspool“ konstruieren. Printemps ist heute Frankreichs führende Kaufhauskette. 2008 stieg Borletti bei den Arcandor-Häusern ein, zusammen mit Deutscher Bank, Pirelli und Generali. Die Gespräche über ein intensiveres Engagement kamen damals nicht voran. Noch nicht. Paul Kreiner

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