Wirtschaft : Argentinien: Schlüsselproblem Währungspolitik

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Das Instrument, das vor zehn Jahren eines der größten Probleme Argentiniens löste, bringt das Land nun in Bedrängnis: die Bindung des Peso an den US-Dollar (Currency Board). Damit vertrieb die Regierung Hyperinflation und Staatsverschuldung. Heute aber ist das Instrument in Argentinien gescheitert - die Wirtschaft ist nicht mehr wettbewerbsfähig, der Staat pleite, die Zinsen zu hoch. Schuld sind Politiker, die Reformen gescheut haben.

1991 band die Regierung die heimische Währung, den Peso, vollständig an die Reservewährung, den Dollar. Das bedeutet, dass für jeden Peso eine Reserve in Dollar existiert, der Wechselkurs war im Verhältnis eins zu eins festgeschrieben. Vorteil für Argentinien: Die Inflation von bis zu 2000 Prozent ging zurück, ausländische Investoren fassten wieder Vertrauen. Denn hinter der Geldpolitik stand nun Fed-Chef Alan Greenspan. Nachteil: Eine eigenständige Währungspolitik gab es nicht mehr.

Das rächte sich, als der Dollar stieg. Zwar wurde die US-Wirtschaft immer stärker, doch die argentinische wuchs weniger rasant. Folge: Die Produkte des Landes wurden im Ausland immer teurer. Experten zufolge ist der Peso durch die Dollar-Bindung um 40 Prozent überbewertet. Zusätzlich wertete der wichtigste Handelspartner Brasilien seine Währung ab, was die Konkurrenzfähigkeit argentinischer Produkte im Nachbarland weiter schmälerte.

Als Konsequenz geriet der Etat aus der Balance. Die Steuereinnahmen brachen wegen der Rezession weg, das Defizit stieg. Argentinien benötigte Kapital aus dem Ausland, das es mit hohen Zinsen anlocken musste. Die aber verteuerten die Kredite für Firmen. Für gewöhnlich sorgt eine Zentralbank in der Rezession für billiges Geld. Die aber war wegen der Dollar-Bindung machtlos - Argentinien rutschte in eine Rezessionsfalle.

Das Currency Board war das falsche Instrument für Argentinien, sagt Rainer Schweickert vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. "Es ist kein Allheilmittel gegen schlechte Wirtschaftspolitik." Das Land habe seine Probleme in den Bereichen Banken oder Infrastruktur nicht gelöst. "Ein Currency Board kann Stabilität bringen - in Krisen aber auch Probleme verschärfen."

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