Wirtschaft : Argentinische Regierung gibt Konten wieder frei

Die argentinische Regierung will einen kleinen Teil der gesperrten Konten unter strengen Auflagen freigeben. Damit reagierte der neue Präsident Eduardo Duhalde am Donnerstag auf anhaltende Proteste gegen seine Wirtschaftspolitik. In einem Fernsehinterview sagte er, von der Lockerung der Kontensperre würden 78 Prozent aller Sparer profitieren. Unterdessen ermittelt die Justiz gegen mehrere Banken wegen Kapitalflucht. Die argentinische Börse verzeichnete hohe Kursgewinne.

Nach dem Regierungsbeschluss können die Argentinier von Montag an von den in US-Dollar angelegten Festgeldkonten 5000 Dollar auf Girokonten überweisen und in Pesos umtauschen. Dabei gilt allerdings der offizielle Wechselkurs von 1,40 Pesos je Dollar. Nach dem freien Parallelkurs, der in den Wechselstuben gilt, gibt es für einen Dollar 1,90 Pesos. Alle Gelder über 5000 Dollar bleibt nach den Regierungsplänen gesperrt. Ab Januar 2003 werden es die Banken dann in Raten an die Sparer zurückbezahlen. Weiterhin können die Argentinier von ihren Girokonten nur 1500 Pesos pro Monat abheben, wodurch der Konsum in dem lateinamerikanischen Land stark gesunken ist.

Das Einfrieren der Bankkonten Mitte Dezember war notwendig geworden, weil in Folge der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise große Mengen Kapital außer Landes geschafft wurden. Es droht der Zusammenbruch des Bankensystems. Argentinien ist mit 155 Milliarden Dollar überschuldet und musste seine Zahlungsunfähigkeit anmelden.

Präsident Duhalde sagte, es sei Ziel, die Beschränkungen für alle Sparer aufzuheben. "Aber wir müssen diese Bombe langsam deaktivieren." Auch am Donnerstag demonstrierten vor Bankfilialen wieder Menschen, die ihre Ersparnisse zurückfordern. Auf Transparenten nannten sie die Banker "Diebe" und fragten: "Wo ist unser Geld?" Um die Armut im Land zu bekämpfen, kündigte Duhalde einen Fonds in Höhe von 350 Millionen Dollar an.

Unterdessen durchsuchte die Justiz mehrere Bankfilialen, Sicherheitsdienste und Transportunternehmen. Die Ermittler gingen damit der Anzeige eines Anwalts und mehrerer oppositioneller Kongressabgeordneter nach, die den Banken vorwerfen, im Dezember 18 Milliarden Dollar außer Landes geschafft und damit den Kollaps des Bankensystems herbeigeführt zu haben. Unter den durchsuchten Banken sind die Citibank, die Bank of Boston, die saudisch-britische HSBC und die Banco Francs.

Auch der Ex-Päsident Carlos Menem ist in den Verdacht geraten, Geld beiseite geschafft zu haben. Die Schweizer Justiz bestätigte die Existenz zweier Konten mit rund zehn Millionen Dollar. Menem müsse demnächst wegen illegaler Bereicherung vor Gericht aussagen, sagte ein Sprecher Duhaldes.

Dennoch gab es ein Kursfeuerwerk an der Börse in Buenos Aires. Der Merval-Index schoss am ersten Handelstag nach zweiwöchiger Pause trotz der katastrophalen wirtschaftlichen Lage 27,98 Zähler (8,15 Prozent) auf einen Endstand von 371,20 Punkten in die Höhe. Zahlreiche Anleger hätten sich mit ihren Ersparnissen in Aktien geflüchtet, da sie einen schnellen Wertverfall ihrer Pesos befürchteten, berichtete die Zeitung "La Nacion" unter Berufung auf Händler. Die Landeswährung war Anfang Januar nach mehr als zehnjähriger Bindung an den Dollar frei gegeben worden und steht seither unter starkem Abwertungsdruck. Am vierten Tag des freien Handels stieg der Kurs des Dollars auf mehr als zwei Pesos.

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