Wirtschaft : Arme Erben

2,6 Billionen Euro werden in diesem Jahrzehnt vererbt. Doch der Großteil des Geldes geht an wenige

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Geld allein macht nicht glücklich. Maria-Elisabeth Schaeffler und Sohn Georg haben ein Imperium geerbt – und in der Finanzkrise fast verloren. Foto: rtr
Geld allein macht nicht glücklich. Maria-Elisabeth Schaeffler und Sohn Georg haben ein Imperium geerbt – und in der Finanzkrise...Foto: REUTERS

Berlin - Es ist die Nachkriegsgeneration, die das Wirtschaftswunder miterlebte und in diesem Jahrzehnt ihr angespartes Vermögen vererbt. 2,6 Billionen Euro sollen die künftigen Erblasser – rund 12,4 Millionen Menschen über 70 – bis zum Jahr 2020 an Kinder und Enkel weitergeben. Das ist so viel wie nie zuvor und 20 Prozent mehr als im vorangegangenen Jahrzehnt. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Das Institut wird von der Deutschen Bank finanziert.

Insgesamt soll der Studie zufolge in diesem Jahrzehnt mehr als ein Viertel des gesamten Vermögensbestandes der privaten Haushalte in Deutschland von rund 9,4 Billionen Euro vererbt werden. Rund ein Zehntel der Erbschaften machen der Studie zufolge Sachwerte aus, je rund die Hälfte Immobilien und Geldvermögen. „Es ist die einkommensstärkste und vermögendste Erbengeneration, die Deutschland je gesehen hat“, sagt Studienautor Reiner Braun.

Doch von der hohen Summe profitieren nur wenige, weil das Erbvolumen ungleich verteilt ist. „Das Gros der Erben erhält wenig, wenige Erben erhalten viel“, heißt es in der DIA-Studie. Eine Erbschaft soll demnach im Schnitt bei 305 000 Euro liegen, auf den einzelnen Erben entfallen 153 000 Euro. Ohne Berücksichtigung der reichsten zwei Prozent sinkt dieser Wert aber beträchtlich. Der Schnitt liegt dann nur noch bei 212 000 Euro, pro Erben bei 106 000 Euro. „Insbesondere erbt das einkommensstärkste Drittel erheblich mehr als die Masse der Erben“, heißt es in der Studie. In rund einem Drittel der Fälle werden weniger als 25 000 Euro vererbt, jeder Elfte geht der Studie zufolge ganz leer aus. Am schlechtesten sieht es für die Geringverdiener und damit für etwa 20 Prozent der potenziellen Erben aus.

Das DIA ermittelte auch große Unterschiede zwischen den alten und den neuen Bundesländern. „Aus historischen Gründen fallen die Vermögen der ostdeutschen Haushalte deutlich kleiner aus als im früheren Bundesgebiet“, schreiben die Autoren. Beim Geldvermögen fällt das weniger ins Gewicht als bei Immobilien. Im Westen kann jeder vierte Erbe mit mehr als 50 000 Euro rechnen, im Osten nur jeder fünfte. Immobilien werden in den neuen Bundesländern deutlich seltener weitergegeben, sie spielen in weniger als jedem dritten generationenübergreifenden Erbfall bis 2020 eine Rolle, im Westen dagegen in mehr als der Hälfte. Zudem ist der Wert der vererbten Immobilien im Osten meist geringer. In den neuen Bundesländern liegt er nur zu 23 Prozent bei 150 000 Euro und mehr, im Westen haben 60 Prozent der vererbten Immobilien diesen Wert.

Zukünftige Generationen müssen sich dem DIA zufolge langfristig auf ein sinkendes Erbschaftsvolumen einstellen. „Erblasser und Erben werden immer älter“, heißt es in der Studie. Deshalb brauchten die Erblasser größere Anteile ihres Vermögens selbst auf. Das Institut verweist auch auf steigende Krankheits- und Pflegekosten. „Gleichzeitig verfügen die Erben über ein größeres eigenes Vermögen, da sie länger erwerbstätig sind, bis der Erbfall eintritt.“

Gerade in Zeiten klammer Kassen wird immer wieder über eine Erhöhung der Erbschaftssteuer diskutiert. „Eine Erhöhung könnte beträchtliche Summen für den Staat erbringen“, sagt Stefan Bach, Steuerexperte und stellvertretender Abteilungsleiter am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Gäbe es einen Durchschnittssteuersatz von zehn Prozent, würde der Staat bei den Zahlen des DIA jährlich 26 Milliarden Euro einnehmen. 2009 waren es nur rund vier Milliarden Euro. „Eine höhere Erbschaftssteuer würde die Chancengleichheit in unserer Leistungsgesellschaft stärken“, sagt Bach. Sie habe wenig verzerrende Wirkung, weil sie Erwerbstätigkeit und Konsum nicht belaste. Allerdings sei der Verwaltungsaufwand hoch. Und es drohe die Verlagerung von Vermögen ins Ausland. Dafür müssen Erblasser und Erben nur ihren Wohnsitz in ein anderes Land verlegen.

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