ARME LÄNDER : Die Schwachen grenzen sich ab

Im Gegensatz zu den wohlhabenden Euro-Nationen findet unter den Krisenstaaten keine erkennbare Koordination statt. Vielmehr legen beispielsweise irische oder portugiesische Diplomaten größten Wert darauf, die grundlegenden Unterschiede zu Griechenland zu betonen und möglichst nicht in einem Atemzug mit Athen genannt zu werden. Irland weist beispielsweise einen Exportüberschuss und damit eine wettbewerbsfähige Wirtschaft auf. Das im Gegenzug für die Milliardenhilfen der Europäer vereinbarte Spar- und Reformprogramm ist laut EU-Kommission, EZB und IWF im Plan. Im Grundsatz zufrieden sind die EU-Partner auch mit den Bemühungen Portugals, wobei es auch dort ein Wachstumsproblem gibt.

Gemeinsamkeiten der armen Länder beziehen sich vor allem auf die Konditionen für die Hilfskredite. Die Zinsen lagen anfangs über fünf Prozent, mehr als zwei Prozentpunkte höher als die Konditionen, zu denen die Mitgliedstaaten oder der Rettungsfonds das Geld besorgen konnten. Was anfangs als Abschreckung gedacht war, entpuppte sich als Belastung für die Schuldentragfähigkeit der Länder, die sich vehement für eine Reduktion einsetzen. Griechenland erhielt bereits eine Senkung des Zinssatzes zugesagt, nun sollen auf irischen Druck hin die Sätze erneut gesenkt werden.

Übereinstimmende Ansichten lassen sich am ehesten unter den Finanzministern jener Länder finden, die im zweifelhaften Ruf stehen, die nächsten Kandidaten für den Euro-Rettungsschirm zu sein. Als solche werden immer Italien, Spanien, mit Abstrichen auch Belgien und nach der schweren Explosionskatastrophe auch Zypern genannt. „Die dringen in den Sitzungen immer auf schnelle Entscheidungen“, berichtet ein EU-Diplomat, „um das Ansteckungsrisiko rasch zu begrenzen.“ chz

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