Arriva-Kauf : Deutsche Bahn strebt an Europas Spitze

Eine Übernahme des britischen Verkehrskonzerns Arriva durch die Deutsche Bahn soll nicht zulasten der Kunden in Deutschland gehen. Das zumindest verspricht Bahn-Chef Grube.

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Berlin - Bis 2014 werde der Staatskonzern hierzulande 41 Milliarden Euro in Züge und Infrastruktur investieren, mehr als in den vergangenen fünf Jahren, sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube am Donnerstag in Berlin. „Für Service, Sicherheit und Qualität geht kein Euro verloren.“ Man werde in Europa aktiv sein, ohne den Heimatmarkt zu vernachlässigen. „Wir müssen das eine tun und zugleich das andere nicht lassen.“

Die Bahn unterbreitete den Arriva-Eignern offiziell das Angebot, alle Aktien für 1,8 Milliarden Euro zu übernehmen. Inklusive der Schulden muss die Bahn 2,7 Milliarden Euro aufbringen. Arriva betreibt in zwölf Ländern Busse und Bahnen. Vorstandschef David Martin empfahl den Aktionären die Offerte als „fair und vernünftig“. Er selbst würde durch den Verkauf seiner Papiere 5,4 Millionen Euro einnehmen. Die Firmen wären gemeinsam „unglaublich stark“, sagte er. Unter Dach und Fach werde der Kauf Mitte August sein. Bis dahin seien weitere Gebote möglich. Vor allem Frankreichs Staatsbahn SNCF gilt als interessiert. Die Gewerkschaften Transnet und GDBA stellten sich hinter den Kauf. Es dürfe aber keine Nachteile für Arbeitnehmer oder das deutsche Geschäft geben.

Grube erwartet, dass es in zehn Jahren nur noch fünf oder sechs große Verkehrsfirmen in Europa geben wird. Da die Bahn auf dem Heimatmarkt verlieren werde, müsse sie im Ausland wachsen, „oder aber wir leiten unseren eigenen Schrumpfungsprozess ein“. Um jeden Preis wolle man Arriva aber nicht kaufen. „Für einen ruinösen Wettkampf stehen wir nicht zur Verfügung.“ Eine Schmerzgrenze beim Preis nannte er nicht. „Jedes Wort macht die Sache teurer“, sagte ein einflussreicher Bahn-Manager dieser Zeitung.

Die Bahn rechnet damit, das deutsche Arriva-Geschäft aus Wettbewerbsgründen abgeben zu müssen. Die Briten sollen aber eigenständig bleiben und in Zukunft generell für das Schienen- und Busgeschäft der Bahn außerhalb Deutschlands zuständig sein.

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