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Bank of China begeistert die Börse

Am ersten Tag gewinnt die Aktie 15 Prozent. Peking spricht von einem Meilenstein bei der Reform des Finanzsektors
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Peking – Die Bank of China (BOC) hat bei ihrem Börsendebüt am Donnerstag in Hongkong einen Traumstart hingelegt. Die Aktien der zweitgrößten Geschäftsbank der Volksrepublik, die bei dem Börsengang 9,7 Milliarden US-Dollar einspielte, schossen am ersten Handelstag um 15 Prozent in die Höhe und übertrafen damit deutlich die Erwartungen. Für Pekings Führung ist dies ein wichtiger Schritt zur Sanierung der ehemals maroden Staatsbanken. Die BOC war nicht nur der bislang größte Börsengang eines Unternehmens der Volksrepublik, sondern auch der weltweit größte seit sechs Jahren.

Schon während der Zeichnungsfrist in den vergangenen Wochen standen in Hongkong Tausende Privatanleger vor Bankfilialen Schlange, um die Aktie zu bekommen. Mehr als eine Million Hongkonger, jeder Sechste der erwachsenen Gesamtbevölkerung der ehemaligen Kronkolonie, hatte sich für die Erstausgabe angemeldet. Die BOC-Aktie war 70-mal überzeichnet. Bei dem Börsengang wurden zunächst nur 10,5 Prozent des Aktienkapitals angeboten – insgesamt 25,57 Milliarden Anteile. Mit einem hochgerechneten Marktwert von 82 Milliarden Euro ist die BOC damit auf einen Schlag die elftgrößte Bank weltweit.

Xiao Gang, der Vorsitzende der Bank of China, sieht in der starken Nachfrage einen Beweis für das „volle Vertrauen“ der internationalen Investoren und einen „Meilenstein“ bei der Reform des chinesischen Finanzsektors. „Das ist ein neuer Schritt für Chinas Banken auf dem Weg zum Markt“, kommentierte das „China Effekten Journal“.

Pekings Regierung muss seine ehemaligen Staatsbanken durch die Umwandlung in Aktienunternehmen fit für den internationalen Wettbewerb machen. Die Abkommen zu Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation sehen ab Ende 2006 den freien Marktzutritt von ausländischen Banken in China vor. Vergangenen Oktober war bereits die China Construction Bank erfolgreich an die Hongkonger Börse gegangen. Für den Spätherbst erwarten Beobachter den Börsengang der Industrial and Commercial Bank of China, dem mit 18 000 Filialen größten Finanzinstitut Chinas.

Mit den dabei eingenommenen Milliarden wollen die ehemaligen Staatsbanken ihre Computersysteme, die Filialnetze und das Management modernisieren. Die Bank of China, mit 11 000 inländischen Filialen das zweitgrößte Finanzinstitut der Volksrepublik, holte sich dazu bereits ausländische Banken und strategische Investoren ins Boot. Beteiligt sind die Royal Bank of Scotland, das Investmenthaus Merrill Lynch und Singapurs Temasek Holding.

Die Anleger hoffen, über die Bankaktien von Chinas Wirtschaftsboom zu profitieren. Allerdings werden in der Euphorie die Risiken übersehen. Chinas Banken sind berüchtigt für ihr Missmanagement und Korruption. Der frühere BOC-Vorsitzende Wang Xuebing wurde wegen Bestechung zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt, ein anderer ranghoher Manager sogar zum Tode. Im November wurden Medienberichten zufolge bei der BOC 3045 Angestellte wegen Untreue und anderer Vergehen bestraft.

Das größte Risiko sind jedoch die faulen Kredite. Zwar ist nach einer Finanzspritze durch den Staat der Anteil der nicht mehr einzutreibenden Darlehen der Bank of China von 33 Prozent vor drei Jahren auf 4,4 Prozent im vergangenen Jahr gesunken. Nach Ansicht ausländischer Experten sitzen Chinas vier Großbanken jedoch noch immer auf mehreren hundert Milliarden Euro fauler Kredite. Sollte die derzeitige Immobilienblase in China platzen oder das Wirtschaftswachstum zurückgehen, könnte es für die Banken eng werden.
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