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Amerikas Reiche werden immer reicher

Unter den Top 400 gibt es keine Millionäre mehr – nur noch Milliardäre / Mittelklasse profitiert kaum von Bushs Steuerpolitik
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Washington - Wer in den USA zu den wirklich Reichen gehören will, muss jetzt schon Dollarmilliardär sein. Erstmals reicht ein dreistelliges Millionenvermögen nicht mehr aus, um auf die Liste der 400 reichsten Amerikaner des US-Wirtschaftsmagazins „Forbes“ zu kommen. Kritiker stellen deshalb die Frage nach der Gerechtigkeit der Steuer- und Sozialpolitik unter George W. Bush. Macht er die Reichen immer reicher, während Mittelklasse und Arme kaum vom Wirtschaftswachstum profitieren? Wird aus der Demokratie allmählich eine Plutokratie?

Seit 13 Jahren führt Microsoft-Gründer Bill Gates die Liste an, nun mit geschätzten 53 Milliarden Dollar. Es folgt Warren Buffet (46 Milliarden), dessen Holding an Unternehmen wie Coca- Cola, Gillette und der „Washington Post“ beteiligt ist. Neu auf Platz drei ist Casino-Besitzer Sheldon Adelson (20,5 Milliarden); der Platzhirsch in Las Vegas hat viel Geld mit neuen Casinos in China verdient. Die Google-Erfinder Sergey Brin und Larry Page sind mit 33 Jahren die jüngsten Milliardäre, sie liegen mit je 14 Milliarden auf den Plätzen zwölf und 13.

Bushs Steuererleichterungen haben die Reichsten gewiss nicht ärmer gemacht. Ihr Vermögenszuwachs ist aber in erster Linie die Frucht cleverer Geschäftsideen im Immobilienmarkt, im Ölgeschäft oder von Aktienbeteiligungen im Ausland. Indiens Börsenindex ist im vergangenen Jahr um 54 Prozent gestiegen, der russische um 108 Prozent. Der Besitzer der Kaffeehaus-Kette „Starbucks“ ist neu in der Liste. John P. Manning wurde mit einem Eigenheimprogramm für arme US-Bürger Milliardär.

Dennoch ist der Trend unbestreitbar: Amerikas Reiche werden reicher. Die Einkommen der Mittelklasse und der Ärmeren haben unter Bush bestenfalls mit der Inflation Schritt gehalten. Deutlich mehr Kaufkraft haben sie nicht gewonnen. Für sie liegt der Hauptvorteil des US-Wirtschaftswachstums – mit im Schnitt 3,5 Prozent liegt es seit Jahren drei Mal so hoch wie das deutsche – in Jobs. Die US-Arbeitslosigkeit ist nicht einmal halb so hoch wie in der Bundesrepublik.

Auch der Staat hat direkte Vorteile von den Steuererleichterungen, die Bush der Wirtschaft jeweils befristet für einige Jahre einräumt. Jedenfalls führen seine Anhänger die unerwartet hohen Steuereinnahmen auf diese Politik zurück. Zum Steuertermin im April 2006 waren 250 Milliarden mehr in die Staatskassen geflossen, als die Steuerschätzer auf der Basis von 2005 erwartet hatten. Dank der Einnahmen sind höhere Kosten des Irakkriegs oder die Hurrikanhilfe für New Orleans kein finanzpolitisches Problem.

Wer viel bekommt, soll auch viel geben – diese Sozialverpflichtung nimmt man in den USA sehr ernst, mit Folgen für die „Forbes“-Liste. Bill Gates überträgt mehr als 30 Milliarden an die Gates-Stiftung für Hilfsprojekte weltweit – und verliert damit bald Platz 1. Warren Buffet spendet den Großteil seines Vermögens ebenfalls an die Gates-Stiftung und weitere wohltätige Organisationen.

Deutschland hat mehr als 50 Milliardäre, angeführt von den Aldi-Brüdern Karl und Theo Albrecht mit 17 und 15,2 Milliarden. Die Versandhausfamilie Otto zählt dazu, die Industriellen Adolf Merkle, Rudolf August Oetker und Reinhold Würth, die BMW-Aktionäre Susanne Klatten und Stefan Quandt sowie Bankier August von Finck. Bei den Vermögensangaben handelt es sich um Schätzungen.
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