Wirtschaft : Arthur Andersen fordert "offene Informationskultur" in Unternehmen

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Beim Risikomanagement und bei der "Risiko-Berichtsmentalität" liegt in deutschen Unternehmen noch vieles im Argen. "Diese Kultur muss sich erst noch entwickeln", sagt Claus- Peter Weber, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Arthur Andersen Deutschland. Für Weber ist dies, ohne dass er die wahren Ursachen kennt, ein Grund für die Beinahe-Pleite beim Baukonzern Philipp Holzmann und bei anderen Unternehmenskrisen der jüngsten Vergangenheit. "Der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer ist schockiert". Gerade jetzt brauche der Berufsstand eine "qualitativen Quantensprung". Weber plädiert für eine Wirtschaftsprüfer-Kontrollinstanz beim Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) ähnlich einer Einrichtung in den USA.

Andersen hat zwar keine Verbindung zu Holzmann, fühlt sich von dem Fall aber auch betroffen. "Viele glauben gerade jetzt wieder, ein Wirtschaftsprüfer schaut nur die ihm vorgelegten Papiere durch. Das stimmt nicht," sucht Weber das angekratzte Image der Branche zu korrigieren. Aber er weist auch darauf hin, dass den Prüfern Verträge und Papiere gezeigt werden, dass wichtige Informationen gegeben werden müssen. Mit anderen Worten: Gegen gezielte Verschleierung und kriminelles Tun sind auch die Wirtschaftsprüfer nicht gefeit.

Weber räumt aber auch ein, dass es natürlich Spielraum bei der Einschätzung möglicher Risiken gebe, ebenso bei der Höhe notwendiger Rückstellungen. Entscheidend ist nach Ansicht des Unternehmensberaters aber auch die Kultur im Unternehmen: Bei vielen Managern sei der Begriff Risiko negativ besetzt, unter anderem, weil dadurch das Unternehmen am Kapitalmarkt kritischer eingestuft werde. "Wir brauchen ein Chancen-Risiko-Management." Außerdem dürfe die Risiko-Einschätzung nicht nur Sache des Vorstandes und des Aufsichtrates sein: Notwendig sei eine offene Informationskultur, in der Hinweise aller Mitarbeiter ernst genommen und nicht unterdrückt werden. Weber weist auf eine nach seiner Ansicht höchst problematische Entwicklung hin: Die Unternehmen versuchen die Honorare zu drücken. Manche Unternehmen wollten zwei Drittel weniger zahlen als in den vergangenen Jahren. Pro Mann-Tag werden nach Angaben von Arthur Andersen nur noch 1200 Mark gezahlt, genauso viel wie für einen Automechaniker. Solide und hochwertige Arbeit könne ein Wirtschaftsprüfer aber nur dann leisten, wenn mindestens 2000 bis 2500 Mark angesetzt würden.

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