Wirtschaft : Arzneibehörde schränkt Schmerzmittelverkauf ein Vioxx-Skandal: Risiko auch bei anderen Produkten

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London Die Europäische Arzneimittelbehörde (Emea) hat die Anwendung von Schmerzmedikamenten aus der Gruppe der Coxibe stark beschränkt. Diese Wirkstoffgruppe, die unter verschiedenen Markennamen weltweit Millionen Patienten verschrieben wurde, darf Personen nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt sowie mit unkontrolliert hohem Bluthochdruck nun nicht mehr verabreicht werden. Wegen des erhöhten Risikos von schweren Nebenwirkungen auf Herz und Kreislauf sollten Coxibe auch anderen Patienten nur in der geringst möglichen Dosis für die kürzest mögliche Zeit verschrieben werden.

Die Coxibe sind durch das Medikament Vioxx in die Schlagzeilen gekommen, das der Hersteller Merck im September 2004 vom Markt nahm, weil es für Schlaganfälle und Herzinfarkte verantwortlich sein soll. Die Emea-Experten gehen nun davon aus, dass diese Probleme nicht nur bei Vioxx, sondern bei allen Medikamenten dieser Klasse auftreten können. Zwar sind die Beschränkungen zunächst bis April 2005 begrenzt. Aber es sei unwahrscheinlich, dass sich an der Entscheidung etwas ändern werde, sagt Ulrich Hagemann, oberster Arzneimittelkontrolleur der deutschen Überwachungsbehörde Bfarm in Bonn.

Experten erwarten nun einen starken Umsatzeinbruch bei den Herstellern, so zum Beispiel bei Pfizer. Allein mit den beiden Produkten Celebrex und Bextra erwirtschaftete der US-Konzern im vergangenen Jahr weltweit einen Umsatz von über 4,5 Milliarden US-Dollar. In Deutschland erhielten rund 800 000 Patienten Celebrex und Bextra verschrieben. Wie sich die Entscheidung der Emea auf den Umsatz auswirken wird, könne man jetzt noch nicht abschätzen, sagt Franziska Theobald, Kommunikationschefin von Pfizer Deutschland.

Mit dem Konkurrenzprodukt Vioxx von Merck wurden im vergangenen Jahr bis zur Marktrücknahme 120 000 Patienten in Deutschland therapiert und damit 120 Millionen Euro umgesetzt. Das Nachfolgeprodukt mit dem Markennamen Arcoxia habe man noch nicht aktiv beworben. „Wir wollten erst die Entscheidung der Aufsichtsbehörden abwarten“, sagt Michael Winnebeck, Sprecher der deutschen Merck-Tochter MSD.

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