Arzneimittel : Mehr Pillen im Osten

Die Ausgaben für Medikamente sind 2012 nur leicht gestiegen. In Mecklenburg-Vorpommern zahlt die GKV pro Kopf im Schnitt am meisten, Berlin liegt auf Platz Zwei.

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Mittel gegen Rheuma verzeichneten den größten Zuwachs.
Mittel gegen Rheuma verzeichneten den größten Zuwachs.Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Die Deutschen haben 2012 mehr Medikamente verbraucht als im Vorjahr. Ärzte verordneten fast 40 Milliarden Einzeldosen – und damit zwei Prozent mehr als 2011. Für die Berechnung einer Einzeldosis wird die Menge eines Mittels zugrunde gelegt, die ein Erwachsener pro Tag einnimmt. Besonders stark stieg der Verbrauch bei Medikamenten gegen Rheuma, säurebedingte Magen-Darm-Erkrankungen und Multiple Sklerose. Das geht aus dem Arzneimittelatlas hervor, den der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) am Dienstag vorstellte. Hierfür wertete das Forschungsinstitut IGES Daten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aus. Der Statistik zufolge liegt der Pro-Kopf-Verbrauch im Osten deutlich höher als im Westen. Mecklenburg-Vorpommern liegt an der Spitze. Das geht darauf zurück, dass dort überdurchschnittlich viele ältere Menschen leben, die häufiger auf Medikamente angewiesen sind oder an chronischen Erkrankungen leiden.

Mit dem Verbrauch stiegen 2012 auch die Ausgaben der GKV für Arzneien , allerdings nur leicht um 200 Millionen auf 29,2 Milliarden Euro. Spitzenreiter ist auch hier Mecklenburg-Vorpommern, wo im vergangenen Jahr im Schnitt 491 Euro pro Patient anfielen. Auf Platz zwei folgt Berlin mit 472 Euro, auch wegen einer überdurchschnittlich hohen Zahl von HIV-Infizierten. Die geringsten Pro- Kopf-Ausgaben hat Bayern mit 340 Euro.

Ein Grund für den moderaten Anstieg der Ausgaben sind die Zwangsrabatte, die der ehemalige Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) 2010 eingeführt hatte. Dadurch erhöhte sich der Abschlag für Arzneimittel von sechs auf 16 Prozent.

Insgesamt wurden dadurch im vergangenen Jahr rund 2,4 Milliarden Euro eingespart. Ende 2013 laufen die Rabatte aus, die wegen eines befürchteten Milliardendefizits der Gesetzlichen Krankenversicherung eingeführt wurden. Weil die GKV aber derzeit Überschüsse macht, fordert die Pharmaindustrie ein Ende der Rabattierung. Insgesamt dürften dann – mit einem weiter steigendenVerbrauch eingerechnet – 2014 Mehrkosten in Höhe von rund 1,9 Milliarden Euro auf die GKV zukommen, schätzt das IGES.

Doch wie realistisch ist es, dass der Rabatt nicht verlängert wird? Bei einer rot-grünen Mehrheit bei der Bundestagswahl am 22. September rechnet Gesundheitsökonom Thomas Drabinski mit einer Fortführung. „Die CDU dagegen hat in ihrem Wahlprogramm erklärt, die forschenden Pharmaunternehmen stärken zu wollen, das spricht eher für eine Abschaffung des Zwangsrabatts.“ Generell hält der Ökonom, der an der Universität Kiel lehrt, die Maßnahme für wenig sinnvoll. „Besser wäre ein System, das Hersteller, Krankenkassen und Politik gemeinsam erarbeiten und das langfristige Planbarkeit der Preise ermöglicht“, sagt er. Die Arzneimittelausgaben sind derzeit der einzige Bereich, der fast stabil ist. Die Zahlungen für Behandlung in Krankenhäusern und bei Ärzten stiegen 2012 kräftig. Jahel Mielke

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