Wirtschaft : Arzneimittel unter Verdacht: Bayer-Konzern hält an der Pharma-Sparte fest

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Der dramatische Gewinneinbruch im ersten Halbjahr setzt Bayer-Konzernchef Manfred Schneider unter Druck. Er wird sich neue Argumente ausdenken müssen, um die vier-Säulen-Strategie des Konzern - Pharma, Polymere (Kunststoffe), Chemie und Landwirtschaft - weiter zu verteidigen, die insbesondere von US-Investor Tweedy/Browne heftig kritisiert wird. Der Investor ist der Meinung, dass ein in Chemie- und Pharmaunternehmen gespaltener Bayer-Konzern an der Börse deutlich höher bewertet werde als der jetzige Gemischtwarenladen.

Schneider dagegen wollte von einer Aufspaltung des Konzerns bislang nichts wissen. "Das ist nicht der richtige Weg", predigte der Konzernchef noch auf der Hauptversammlung im April. Er hoffte - und mit ihm viele Analysten - dass die unbequeme vier-Säulen-Struktur sich als wirksame Giftpille gegen eine feindliche Übernahme erweisen könnte. Eine Gefahr, die angesichts des bescheidenen Aktienkurses sehr präsent ist.

Konzernchef Schneider hatte stets betont, es bringe keine strategischen und operativen Vorteile, sich auf wenige Gebiete zu konzentrieren. Ausschlaggebendes Kriterium sei ein profitables Wachstum. Unterstützt wurde diese Argumentation durch die Analysen zweier Investmentbanken, die bestätigt hatten, dass Bayer auch als Konglomerat am Kapitalmarkt Wertsteigerungen erziele - allerdings nur so lange, wie das Unternehmen profitables Wachstum in Höhe des jeweils führenden Wettbewerbers nachweise.

Davon ist Bayer zurzeit weit entfernt. Auch die Jahrhundert-Pille Aspirin kann den Konzern nicht aus der verheerenden Situation retten, in die der Konzern nach dem Produktionsstopp des Gen-Medikaments Kogenate und der Rückrufaktion des Cholesterinsenkers Baycol im letzten Halbjahr geraten ist. Neue Medikamente aus der eigenen Pipeline werden frühestens 2004 auf den Markt kommen, das Loch kann Bayer bestenfalls durch Zukäufe oder Einlizensierungen stopfen. Die aktuelle Krise zwingtSchneider dazu, die Konzernstruktur - und damit die Zukunft der Pharmasparte - neu zu überdenken.

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