Wirtschaft : Arzneimittel werden billiger

Stada steigt nach Hexal, Ratiopharm und Sandoz in den Preiskampf der Generika-Hersteller ein

Henrik Mortsiefer

Berlin/Bad Vilbel - Auf dem deutschen Pharmamarkt wird ein Verdrängungswettbewerb der Generika-Hersteller immer wahrscheinlicher. Nach Hexal, Sandoz und Ratiopharm kündigte am Dienstag auch Stada massive Preissenkungen für rezeptpflichtige Medikamente an, die den Patentschutz verloren haben. So sollen mehr als 550 Apothekenverkaufspreise bei über 110 Wirkstoffen in der Spitze um mehr als 50 Prozent gesenkt werden. Beobachter erwarten, dass vor allem kleinere Anbieter den Preiskampf nicht überleben werden. Stada hatte erklärt, das Unternehmen sei für eine offensive Akquisitionspolitik gerüstet.

Obwohl Stada die Preissenkung schon vergangene Woche angedeutet hatte, reagierte die Börse überrascht: die Stada-Aktie rutschte um 2,0 Prozent auf 31,36 Euro ab. „Offenbar haben einige Anleger nicht mitbekommen, dass Stada diesen Schritt bereits signalisiert und die Aktie daraufhin mehr als zwölf Prozent verloren hatte“, sagte ein Händler. Einige Analysten bekräftigten ihre negativen Einschätzungen, insgesamt fiel die Resonanz bei den Experten aber sehr gemischt aus.

Offen ist, ob die im M-Dax notierte Stada AG – wie erhofft – mit der Preissenkung Marktanteile gewinnt und – wie angekündigt – 2006 ihre Ergebnisziele trotz der Preissenkung erreichen kann. Das gilt allerdings auch für die Wettbewerber. Stada ist mit einem Umsatz von gut einer Milliarde Euro hinter Hexal und Ratiopharm Nummer drei auf dem deutschen Markt. Hexal und Sandoz gehören zum Schweizer Pharmakonzern Novartis.

Auslöser des Preiskampfes auf dem Generikamarkt ist das Gesundheits-Reformgesetz. Am 1. Mai trat gegen den Widerstand von Ärzten und Pharmaindustrie das Gesetz zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in der Arzneimittelversorgung in Kraft. Es soll verhindern, dass die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel weiter so stark steigen wie bisher. So sieht das Gesetz Zuzahlungsbefreiungen bei besonders preisgünstigen Medikamenten vor. Da Versicherte verstärkt zu diesen günstigen Mitteln greifen sollen, erwartet der Gesetzgeber Einsparungen für die Kassen trotz der entgangenen Zuzahlungen. Patienten zahlen seit 2004 für ein verordnetes Mittel zehn Prozent des Preises selbst – mindestens fünf und maximal zehn Euro. Nun können sich Patienten vom 1. Juli an die Fünf-Euro-Zuzahlungen für günstige Medikamente in vielen Fällen sparen.

Das Gesetz sieht auch die Senkung von Festbeträgen für viele Medikamente vor. Ein Festbetrag ist der maximale Betrag, den Kassen für Arzneimittel erstatten. Kassen müssen für viele Mittel niedrigere Festbeträge zahlen als zuvor. Senkt ein Hersteller den Preis für ein Mittel nicht auf diesen Festbetrag, kann er Wettbewerbsnachteile gegenüber billigeren Konkurrenten erleiden, da Versicherte lieber zu günstigeren Mitteln greifen.

Alexander Groschke, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP), glaubt, dass sich die Aktie von Stada nach der Preissenkung schwächer als der Markt entwickeln wird. Der Preissenkung, die zum 1. Juli wirksam wird und ein Volumen von 32 Millionen Euro haben soll, stünden „nicht quantifizierte positive Effekte“ gegenüber. Auch Stadas zweite Generika-Vertriebslinie in Deutschland, Aliud Pharma, bereitet umfangreiche Preissenkungen zum 1. Juli vor. Dennoch will Stada 2006 den Ertrag überproportional zum Umsatz steigern. Die Messlatte liegt aber nach Ansicht von LRP-Analyst Groschke sehr tief.

Nach Meinung der Analysten von Independent Research dürften sich die Ent- und Belastungsfaktoren der Preissenkung die Waage halten. Gleichwohl senkten die Experten das Kursziel für die Aktie von 41,50 auf 37 Euro. Auch die WestLB-Analysten hatten am Montag das Kursziel von 40 auf 37 Euro gesenkt, die Stada-Aktie aber gleichzeitig zum Kauf empfohlen. Der Grund: Ein echter Preiskrieg werde in Deutschland nicht ausbrechen. Die WestLB setzt darauf, dass Stada sein verlustträchtiges Generikageschäft in den USA noch 2006 verkaufen wird. mit dpa

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