Arzneimittelgesetz : Tonnenweise Antibiotika für Tiere

In den vergangenen Jahren hat sich die Menge der bei Tieren verwendeten Antibiotika mehr als verdoppelt. Ein neues Gesetz soll den Einsatz in der Mast begrenzen.

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Konventionelle Massentierhaltung gerät in Zeiten von Bio und Öko immer wieder in die Diskussion.
Konventionelle Massentierhaltung gerät in Zeiten von Bio und Öko immer wieder in die Diskussion.Foto: dpa

Die Zahlen sind alarmierend: Über 1734 Tonnen Antibiotika hat die Pharmaindustrie im vergangenen Jahr an Tierärzte geliefert, 2005 waren es noch 784 Tonnen gewesen. In der Intensivtierhaltung werden derzeit über 40-mal mehr Antibiotika eingesetzt als in deutschen Kliniken, kritisieren der BUND und der Ökologische Ärztebund. Denn die Mittel werden nicht nur genutzt, um kranke Tiere zu behandeln, sondern auch um Hähnchen, Kälber und Schweine schneller wachsen zu lassen. Das ist zwar seit dem Jahr 2000 europaweit verboten, wird aber dennoch gemacht.

Mit schärferen Kontrollen und Meldepflichten will Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) den massiven Antibiotikaeinsatz eindämmen. An diesem Mittwoch soll das Kabinett eine Novelle des Arzneimittelgesetzes beschließen, die den Behörden einen besseren Überblick über den Einsatz von Antibiotika in den Ställen verschafft und ihnen erlaubt, gegen Tiermäster vorzugehen, die auffällig viele Antibiotika einsetzen.

Zwar müssen die Landwirte schon heute aufschreiben, welche Tiere welche Medikamente über welchen Zeitraum bekommen, allerdings nur auf Papier. Künftig sollen Tiermäster die Angaben einer zentralen Datenbank übermitteln, die im nächsten Jahr von den Bundesländern eingerichtet werden soll. Fällt auf, dass ein Landwirt besonders häufig oder besonders viele Antibiotika verwendet, muss er den Behörden mitteilen, wie er das ändern will. Tut er das nicht, können die Veterinärämter von sich aus Maßnahmen anordnen – etwa eine grundlegende Desinfektion des Betriebs oder eine vorübergehende Stilllegung. Um Missbrauch zu verhindern, sollen die Daten mit den Aufzeichnungen der Tierärzte abgeglichen werden. Diese müssen Buch darüber führen, welche Medikamente sie von der Pharmaindustrie erhalten haben und an wen sie diese weitergegeben haben. Am Dispensierrecht der Tierärzte – dem Weiterverkauf von Arzneien – soll jedoch vorerst nicht gerüttelt werden. Das bringe nichts, heißt es im Agrarministerium.

Dennoch sollen auch die Tierärzte nicht völlig ungeschoren davonkommen. Die Möglichkeit, Antibiotika umzuwidmen, also anders einzusetzen als vorgesehen, soll eingeschränkt werden. Sogenannte Reserveantibiotika, die in der Humanmedizin gezielt gegen bestimmte Keime eingesetzt werden, sollen in der Tiermedizin gar nicht verwendet werden, um weitere Resistenzen zu vermeiden. Denn schon heute wirken viele Antibiotika nicht mehr.

Hubert Weiger, Chef des BUND, reicht der Vorstoß nicht. Er fordert klare Vorgaben, in welchem Maße der Antibiotikaeinsatz reduziert werden soll. Zudem müssten auch Tierzuchtanlagen und Fischfarmen in die Novelle einbezogen werden. „Außerdem müssen die Subventionen für den Bau neuer Massentierhaltungsanlagen gestoppt und die im Baugesetz verankerten Privilegien für industrielle Tierhaltungen abgeschafft werden“, kritisiert Weiger.

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