Wirtschaft : Asien läßt Babcock kalt

Anlagenbauer zuversichtlich / Kraftwerkssparte hofft auf Fusion OBERHAUSEN (aho).Klaus Lederer spielt die Krise herunter."Im Höchstfall", sagt der Vorstandsvorsitzende des Maschinen- und Anlagenbauers Deutsche Babcock "kostet uns die Asienkrise 100 Mill.DM Umsatz." Bei einem Erlös von 8,9 Mrd.DM bereite ihm dies wenig Kopfzerbrechen.Grund für den Optimismus: Babcock baut Anlagen und Maschinen vor allem für China und Indien, diese Länder seien aber nicht so gefährdet wie Südkorea oder Indonesien.Allerdings: Thailand hat ein Kraftwerk mit Siemens im Auftragswert von 250 Mill.DM verschoben. Den Optimisten mimt Lederer auch anderweitig.Nach dem existenzgefährdenden Jahr 1997 sei inzwischen "der Turnaround gelungen".400 Mill.DM Verlust hatten die Oberhausener 1995/96 (30.September) ausgewiesen - Folge von Fehlkäufen, und Managementfehlern.Der langjährige Vorstandschef Heyo Schmiedeknecht räumte seinen Schreibtisch für Klaus Lederer.Er verpaßte dem Sammelsurium von Firmen und Holdinggesellschaften eine neue Struktur; immerhin gehören zu Babcock fast 300 Gesellschaften.Lederer trennte sich von Töchtern mit einem Umsatz von ein Mrd.DM und baute Jobs ab.Rund 4500 Stellen fielen im vergangenen Geschäftsjahr weg; im laufenden Jahr folgen weitere 1500 Arbeitsplätze, wovon 1100 bereits abgebaut sind.Inzwischen trage der Sanierungskurs Früchte, sagt der Vorstandschef.Der Verlust sei 1996/97 halbiert worden, 1997/98 soll eine schwarze Null und 1998/99 sogar ein Gewinn von rund 100 Mill.DM erreicht werden.Der Umsatz soll im laufenden Geschäftsjahr nur um 300 Mill.DM sinken, obwohl Lederer "vier, fünf Töchter" mit einem Umsatz von einer Mrd.DM verkaufen möchte. Vor allem hofft der Vorstandschef auf die Fusion seiner Kraftwerk-Tochter mit dem Konkurrenten Steinmüller.Nach einer solchen Hochzeit ließe sich der "kombinierte Umsatz mit 60 Prozent des Personals" erwirtschaften, wobei Holzmann den Großteil an Stellen abbauen müßte, meint Lederer.Nur Steinmüller Großaktionär Holzmann zögert, einzuwilligen.In den nächsten Wochen will Lederer ein Ergebnis erzielen, notfalls mit einem ausländischen Partner. Bei der Berliner Babcock Kraftwerk-Tochter soll die Hochzeit keine Spuren hinterlassen.Die Niederlassung in der Storkower Straße lebt laut Lederer von Großaufträgen in Ostdeutschland.Erst wenn diese in zwei Jahren ausliefen, könnten einige der 400 Jobs wackeln, falls es keine Anschlußaufträge gäbe.Die West-Schwester Borsig freut die Oberhausener: Ihr Umsatz stieg 1996/97 um fast 30 Prozent auf 180 Mill.DM.

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