Wirtschaft : Asien müht sich bei Krisen-Bewältigung

Indonesien will Verhältnis der Rupie zum Dollar stabilisieren / Neuer Notenbankchef in Japan JAKARTA / TOKIO / SEOUL (AFP).Indonesiens neuer Finanzminister Fuad Bawazier betrachte die Landeswährung Rupie als unterbewertet.Der jetzige Kurs von rund 10 000 Rupien für einen US-Dollar sei zu hoch, er müsse statt dessen bei 4000 bis 5000 Rupien je US-Dollar liegen, sagte Bawazier der Zeitung "Indonesian Observer".Die Währungskrise habe sich in vielen Branchen ungünstig ausgewirkt, deshalb seien Anstrengungen nötig, den Wechselkurs zurück auf ein "normales und annehmbares Niveau" zu bringen.Am Montag lag der Kurs in Jakarta bei 9800 Rupien.Vor der Währungskrise war der Dollar im Juli 1997 mit 2400 Rupien gehandelt worden, im Januar 1998 sogar mit 17 000 Rupien.Die Entscheidung, die Landeswährung über ein Currency-Board fest an den Dollar zu binden, sei noch nicht gefallen, sagte der neue Finanzminister weiter.Das neue Kabinett werde sich auf seiner ersten Sitzung am Dienstag mit der Währungspolitik befassen.Der Plan eines Currency-Board stößt im Ausland auf heftige Kritik.Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) reichen Indonesiens auf 16 Mrd.Dollar geschmolzene Auslandsreserven nicht aus, um eine Rupie-Anbindung an den Dollar zu stützen.Japans Ministerpräsident Ryutaro Hashimoto hatte am Sonntag bei einem Treffen mit dem indonesischen Präsidenten Suharto auf Wirtschaftsreformen als Voraussetzung für die Beseitigung der Finanzkrise gedrungen.Anschließend sagte Hashimoto, Suharto habe eine flexiblere Haltung zu den Auflagen des IWF für sein 40 Mrd.Dollar-Hilfspaket in Aussicht gestellt.Unterdessen teilte der japanische Kabinettssekretär Kanezo Muraoka am Montag mit, neuer Chef der japanischen Notenbank solle der frühere Vorsitzende des Unternehmerverbandes Keizai Doyukai, Masaru Hayami, werden.Hayami tritt die Nachfolge von Yasuo Matsushita an, der vergangene Woche wegen eines Korruptionsskandals in der Zentralbank seinen Rücktritt angeboten hatte.Ministerpräsident Hashimoto wolle zudem Sakuya Fujiwara, einen früheren Journalisten der Nachrichtenagentur Jiji-Press, zu Hayamis Stellvertreter machen, sagte der Regierungssprecher.Der 72jährige Hayami hatte der Notenbank früher als Direktor angehört.1981 verließ er das Institut und wechselte in die Privatwirtschaft.Mit seiner Berufung an die Spitze der Zentralbank wird erstmals seit zwei Jahrzehnten die Tradition durchbrochen, den Posten entweder mit einem Mitglied der Zentralbank oder des Finanzministeriums zu besetzen.Auch der noch amtierende Notenbankchef Matsushita war solch ein "Himmelsbote" des mächtigen Finanzministeriums.Hayami soll zum ersten April seinen Dienst antreten.An diesem Tag wird die die Zentralbank im Zuge tiefgreifender Reformen zur Sanierung des maroden Finanzsystems per Gesetz aus dem Griff des mächtigen Finanzministeriums befreit und in eine neue Zukunft als weitgehend unabhängiges Institut entlassen.Diese Reformen sollen nicht nur das Vertrauen in den Finanzplatz Tokio wiederherstellen, sondern auch helfen, die Gefahr einer Rezession der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft abzuwenden.Am Gelingen bestehen unter Experten jedoch weiterhin Zweifel.Die jüngsten Skandale und das Korruptionsgeflecht zwischen der Finanzaufsicht und den Banken bieten zu solcher Skepsis allen Anlaß.Doch nicht nur die Finanzaufsicht hat Reformbedarf.In diesem Jahr wurde bereits der Finanzminister wegen Korruption in seinem Haus ausgewechselt.Auch auf Seiten der Banken besteht Anlaß zum Handeln.Doch die jüngsten Nachrichten über die von der Regierung angegangene Sanierung der Institute stimmen nicht gerade optimistisch.Statt die Strukturprobleme anzugehen, würden sie eher verschleiert, lautet der Vorwurf.Anlaß zur Kritik bietet die Kreditvergabe an 21 Banken in Form von Staatsgeldern in Höhe von rund 1,8 Billionen Yen.Einerseits erscheint diese staatliche Kapitalspritze angesichts notleidender Kredite von rund 77 Billionen Yen (1,09 Billionen DM) nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein.Andererseits würden die Probleme der Institute durch die Geldverteilung per Gieskannenprinzip wie gewohnt verdeckt, meinen Kritiker.Von marktwirtschaftlichem Vorgehen oder gar einer echten Sanierung könne keine Rede sein.Südkorea will im Kampf gegen die Wirtschaftskrise den Weg für Investitionen aus dem Ausland ebnen.Ausländische Unternehmen sollten künftig die Möglichkeit zu feindlichen Übernahmen und zum Kauf von südkoreanischen Firmen haben, forderte Finanzminister Lee Kyu Sung am Montag in einem Bericht an Präsident Kim Dae Jung.Außerdem werde sein Ministerium im März versuchen, rund 16 Mrd.Dollar (rund 28,8 Mrd.DM) Devisen ins Land zu holen, davon drei Mrd.durch die Ausgabe von Staatsanleihen.Ingesamt werden demnach in diesem Jahr mindestens 70 Mrd.Dollar (126 Mrd.DM) an verfügbaren Devisenbeständen benötigt.Kim unterstützte seinen Finanzminister und forderte rasche Schritte der Regierung, um Restriktionen gegen ausländische Investitionen, den Ankauf von Land und Aktien zurückzunehmen.Lee und andere Regierungsvertreter forderten zudem eine Regierungskampagne für neue Auslandskredite.Außerdem sollten Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen werden, damit die hohen Zinsen gesenkt werden könnten.Die Zinsen werden unter anderem für die zahlreichen Firmenpleiten der vergangenen Monate verantwortlich gemacht.Das in der vergangenen Woche ausgehandelte Umschuldungsabkommen werde den Devisenmarkt stabilisieren, sagte der stellvertretende Finanzminister Chung Duck Koo.Deshalb könnten nun Verhandlungen mit dem IWF über die Zinssenkungen aufgenommen werden.Die südkoreanischen Banken hatten in der vergangenen Woche kurzfristige Zahlungsverpflichtungen in Höhe von 21,37 Mrd.Dollar (rund 39 Mrd.DM) in Kredite mit längeren Laufzeiten umgeschuldet.Daran beteiligten sich 123 ausländische Banken aus 31 Nationen.Analysten warnten vor der hohen Verschuldung der Firmen im Land.Das Koreanische Entwicklungsinstitut rechneten für Ende 1997 mit einer Verschuldung von 600 Mrd.Dollar (umgerechnet 1,08 Billionen DM).

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