Wirtschaft : Asienkrise belastet die europäische Chemieindustrie

BERLIN (chi).Die Krise in Asien wird Europas chemische Industrie wohl noch stärker in Mitleidenschaft ziehen, als zunächst erwartet.Sollten vor allem die Turbulenzen in Japan anhalten, werden die ohnedies schon schwächeren Zuwachserwartungen für die Branche von knapp drei Prozent im laufenden Jahr, nach fünf Prozent 1997, noch um einen oder sogar 1,5 Prozentpunkte nach unten korrigiert werden müssen, sagte der Präsident des europäischen Chemieverbandes, BP-Chemievorstand Bryan Sanderson, anläßlich der Mitgliederversammlung des Verbandes am Freitag in Berlin."Die Krise in Japan könnte eine zweite Rezessionswelle einleiten", warnte Sanderson.Die Konjunkturbelebung in Europa werde voraussichtlich nicht stark genug sein, um die Exportverluste in Asien auszugleichen.

Schon im vierten Quartal 1997 lagen die Exporte der Branche nach Südostasien, das nach den USA der zweitgrößte Absatzmarkt für die europäische Chemieindustrie ist, nach Angaben des Verbandes um 13 Prozent unter Vorjahresniveau, ein Minus von umgerechnet knapp 200 Mill.DM.Außerdem, so Sanderson, sei damit zu rechnen, daß die Produzenten aus Asien, aber auch aus USA und Nahost, verstärkt auf den europäischen Markt drängen.Der Verband schließt daher nicht aus, daß sich der Stellenabbau in der Branche 1998 fortsetzt und noch einmal ein Prozent der Arbeitsplätze wegfallen.

Sanderson, der am Freitag die Verbandspräsidentschaft von Hoechst-Chef Jürgen Dornemann übernahm, machte deutlich, daß die europäischen Chemieunternehmen weitere Anstrengungen zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit zeigen müßten, um ihre führende Position auf dem Weltmarkt zu verteidigen.Die EU-Chemieindustrie hat mit einem Umsatz von umgerechnet knapp 760 Mrd.DM derzeit einen Weltmarktanteil von 28 Prozent.Hoechst-Chef Dornemann zeigte sich überzeugt, daß "der Konzentrationsprozeß in der Chemieindustrie noch nicht beendet ist." Konkrete Vorhaben seien ihm zwar nicht bekannt, "aber es wird noch Überraschungen geben".

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