Wirtschaft : Asienkrise belastet Konjunktur

OECD-Länder rechnen mit Wachstumseinbußen bis zu 0,6 Prozent

PARIS (dpa). Die gegenwärtige Finanzkrise in Südostasien wird nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Auswirkungen auf die Weltkonjunktur haben.Deutschland sei aber kaum betroffen, da es seine Schwerpunktmärkte eher in Osteuropa habe."Für Deutschland hat sich die Prognose grundsätzlich nicht geändert", sagte ein OECD-Mitarbeiter am Montag bei der Vorstellung des Konjunkturausblicks.Die 29 OECD-Länder insgesamt müßten mit einem Wachstumsverlust von 0,15 Prozent im auslaufenden Jahr sowie 0,3 bis 0,6 Prozent 1998 rechnen.In der Anfang November abgeschlossenen Studie heißt es, unter Ausschluß aller anderen Faktoren könnte bei den Handelsströmen 1998 ein Wachstumsverlust von 0,3 bis 0,9 Prozent eintreten.Das werde jedoch kompensiert von Faktoren wie der Tatsache, daß die US-Zentralbank wegen der Krise nicht zu einer Verschärfung ihrer Zinspolitik gezwungen gewesen sei.Die OECD gibt jedoch zu, daß die Auswirkungen der Asienkrise wegen offener finanzpolitischer Entscheidungen schwer zu beziffern sind. Gezogen vom Export zieht ­ wie bereits berichtet ­ die Konjunktur in Deutschland ebenso wie in Frankreich und Italien wieder an.Der Schwung habe nun auch Konsum und private Investitionen erfaßt.Als "ungewöhnlich schwach" gilt dagegen die Reaktion der Investitionstätigkeit der deutschen Unternehmen auf die Wachstumsimpulse, was vor allem auf die (1998 wohl andauernd) schwache Baukonjunktur zurückgeführt wird.Bei der Arbeitslosigkeit wird 1998 eine Trendwende erwartet.Allerdings gilt das Niveau der Arbeitslosigkeit noch immer als sehr hoch.Zu den positiven Ergebnissen hätten mäßige Lohnabschlüsse, niedrige Zinsen sowie eine geringe Inflationsrate beigetragen. "Es gibt gute Gründe dafür, daß der Aufschwung andauert und sich verbreitert", sagte ein OECD-Ökonom.Er zählte dazu unter anderem die verbesserte Ertragslage deutscher Unternehmen, die von der Abwertung der D-Mark verbesserte Wettbewerbsfähigkeit, höhere Kapazitätsauslastungen bei gleichzeitigen Lagerabbau sowie die Umstrukturierungen in der Industrie.Nach einem Wachstum von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geht die OECD für Deutschland 1998 und 1999 von einem Wachstum von drei Prozent aus.Dabei erwartet die OECD weiter sinkende Steuereinnahmen. Generell erwartet die Organisation, daß sich ohne weitere große Störungen in den USA die Phase des Aufschwungs mit schwacher Inflation und Zunahme der Beschäftigung verlängern wird, auch wenn sich die Expansion etwas verlangsame.In den Ländern, die sich an der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion beteiligten, werde die wirtschaftliche Belebung zunehmend solider und dürfte sich in den beiden nächsten Jahren beschleunigen.Unsicherheit herrscht dagegen angesichts offener finanzpolitischer Entscheidungen bei Japan.Dort stehe der 1996 eingesetzte Aufschwung, der in diesem Jahr ins Stocken geriet, "auf zunehmend unsicheren Füßen".Für 1997 erwartet die OECD jetzt nur noch einen Anstieg des japanischen Bruttoinlandprodukts um 0,5 Prozent.Im nächsten Jahr könnte die Wirtschaft dann 1,7 Prozent wachsen.In ihrem letzten Bericht vom Juni hatte die OECD noch 2,3 Prozent im laufenden und 2,9 Prozent im nächsten Jahr erwartet.Der Einbruch in Japan sei ebenso sehr auf interne Probleme zurückzuführen wie auf die Krise in den Nachbarstaaten.Einige Länder Ostasiens, vor allem Südkorea, hätten unter den Folgen der Finanzkrise zu leiden und müßten sich mit schwächeren Wachstumsquoten als in den vergangenen zehn Jahren begnügen.Das Wachstum in Südkorea könnte 1998 bis auf null sinken.

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