Wirtschaft : Asienkrise ist noch nicht ausgestanden

HERMANN-JOSEF KNIPPER

Die nächste internationale Finanzkrise, da sind sich die Experten sicher, kommt bestimmt.Am Montag bewegte sich hierzulande die Stimmung zwar wieder zwischen Zuversicht und Euphorie - der Dollar-Kurs blieb stabil, die Börse boomte.Ganz so, als stünde die nächste Zinssenkung bevor, wovon aber nicht die Rede sein kann.Im Gegenteil: Die anhaltenden Turbulenzen in Asien, die gestern den japanischen Yen auf ein Sieben-Jahres-Tief drückten, könnten in den Krisenstaaten Asiens in einem Abwertungswettlauf münden, der auch die chinesische Währung in Mitleidenschaft ziehen könnte.Wenn aber Japan und China einbrechen, dürften die Folgen der Asienkrise auch an Europa und vor allem Amerika nicht mehr spurlos vorbeigehen.Die Gefahr, daß sich die Anleger dann wegen des stark steigenden Leistungsbilanzdefizits auch aus den USA zurückziehen, würde wachsen.Als Folge drohen steigende Zinsen, zumindest in den Vereinigten Staaten.

Daß sich daher am Montag die europäischen Notenbankchefs in Basel den Kopf darüber zerbrachen, wie die Gefahren internationaler Finanzkrisen in Zukunft eingedämmt werden können, ist nur natürlich.Das angebotene Rezept - die Erhöhung von Transparenz und Kontrolle - wirkt allerdings unzureichend.Auch deswegen, weil die Zentralbankgouverneure dies bereits seit Jahren erfolglos fordern und ebenso lange vor den Konsequenzen der gewaltig wachsenden weltweiten Finanzströme warnen, ohne daß dies von den Regierungen ernst genommen wird.Entsprechend dünn ist das Eis, auf dem sich die Anleger zur Zeit bewegen.Wirkungsvoller wäre es, nach dem Vorbild der Maastrichter Konvergenzkriterien eine Art international standardisierte Stabilitätspolitik zu installieren, die in den betroffenen Ländern eine vernünftige Finanzpolitik garantieren und das Vertrauen in die Währungen wieder herstellen würde.

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