Wirtschaft : Asienkrise und Preiskrieg treffen Motorola

CHICAGO (zep).Motorola, der weltgrößte Hersteller von Mobiltelefonen, hat sein schlechtestes Quartalsergebnis seit 13 Jahren vorgelegt.Wie das Unternehmen am Dienstag abend in Chicago mitteilte, blieb von den um 6 Prozent auf 7 Mrd.Dollar gefallenen Erlösen in den Monaten April bis Juni gerade noch 6 Mill.Dollar oder ein Cent pro Aktie als Gewinn aus dem operativen Geschäft übrig.Ziehen die Buchhalter davon noch die außergewöhnlichen Belastungen durch Massenentlassungen und Fabrikschließungen ab, riß das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres nach Steuern ein Loch von 1,3 Mrd.Dollar in die Kassen.

Als Grund für die schlechten Zahlen nannte Firmenchef Christopher Galvin vor allem die Wirtschaftskrise in Asien."Deren Einfluß wird auch noch mindestens bis zum Jahresende zu spüren sein", blickte Galvin düster in die unmittelbare Zukunft.Hinzu kommen ein heftiger Preiskampf und die sinkende Nachfrage.Die Bestellungen sind entsprechend spärlich ausgefallen, sie liegen bei Mobiltelefonen und Zubehör um 11 Prozent, bei Halbleitern sogar um 25 Prozent unter den Vorjahresmargen.

Motorola hatte bereits Anfang Juni angekündigt, in den kommenden zwölf Monaten 15 000 Beschäftigte zu entlassen und einige Chip-Fabriken zu schließen, um das Unternehmen wieder profitabler zu machen.Als weiteres Ergebnis der Restrukturierung will Motorola in den nächsten Tagen eine neue Kommunikationssparte vorstellen, in der das gesamte Geschäft in dieser Branche zusammengefaßt werden soll.

Analysten waren bei der High-Tech-Firma aus Schaumburg im US-Bundesstaat Illinois vor dem Quartalsbericht von einem Verlust im operativen Geschäft von über 20 Mill.Dollar ausgegangen.Da die Zahlen leicht besser ausfielen, kletterte die Motorola-Aktie am Dienstag im nachbörslichen Handel um 1,25 auf knapp über 56 Dollar, nachdem sie zuvor während des Parketthandels schon um 1,4 Dollar zugelegt hatte.Analysten lesen das Geschäftsergebnis von Motorola häufig als frühes Indiz für die Wirtschaftslage der gesamten Halbleiter-Branche.In den kommenden Tagen werden die meisten Hersteller ihre Vierteljahresbilanzen veröffentlichen.Börsenspezialisten rechnen in der Regel mit deutlich gesunkenen Erlösen der Chipschmieden.

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