Wirtschaft : Asiens Börsen in Turbulenzen

PEKING / TOKIO (mg/HB).Hartnäckige Spekulationen über eine bevorstehende Abwertung der chinesischen Währung Yuan haben an Montag die Märkte in Asien abstürzen lassen.Besonders hart getroffen wurde Singapur mit Verlusten von 5,5 Prozent.Dagegen blieb Tokio von der Talfahrt ausgenommen.Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte legte sogar um gut 54 Punkte auf 14 208 Zähler zu.Auch die deutschen Märkte reagierten weniger heftig.Der Dax rutsche geringfügig um gut 36 Punkte ab.

In Hongkong setzte sich der Kurssturz der vergangenen Woche fort.Der Hang-Seng-Index fiel um 2,45 Prozent oder 239,02 Zähler auf 9499,50 Punkte.Gerüchte über eine chinesische Abwertung wurden hier besonders ernst genommen.Zinssteigerungen in der Region taten ihr übriges, die Kurse zu drücken.Massive Verluste verbuchten auch Manila mit minus 5,4, Jakarta mit minus fünf und Bangkok mit minus 3,5 Prozent.Leichtere Einbußen verzeichneten Seoul (minus zwei Prozent) sowie Kuala Lumpur, Sydney und Wellington.Taipeh verlor über drei Prozent.Die Börsen auf dem chinesischen Festland verspürten die Abwertungsspekulationen ebenfalls.In Shanghai fiel der Index um gut 14 Punkte auf 1148,12 Zähler.

Über die mögliche Abwertung von Chinas Währung wird seit der Freigabe des brasilianischen Real trotz anderslautender Beteuerungen der Regierung wieder eifrig spekuliert.China ist am Montag jedoch neuen Gerüchten entgegengetreten, es wolle seine Währung doch abwerten."Der Yuan wird nicht abgewertet", sagte ein Sprecher der Zentralbank in Peking.Es gebe keine Änderung in dieser Haltung." Wir verfolgen auch weiterhin eine stabile Währungspolitik wie im vergangenen Jahr." Er reagierte damit auf neue Spekulationen, die ein Artikel in der Sonntagszeitung "China Business Weekly" ausgelöst hatte.Darin waren Analysten mit den Worten zitiert worden, eine Abwertung "wäre nicht notwendigerweise eine schlechte Sache" und würde "nicht die von den meisten Leuten befürchtete neue Runde der Abwertungen" auslösen.Die Formulierung, die allen bisherigen Äußerungen entgegenlief, war von einigen Wirtschaftsfachleuten vor allem in Hongkong als möglicher Test gewertet worden, wie die Märkte reagieren.Der Zentralbanksprecher erklärte jedoch, die in der Zeitung zitierten Analysten "geben nicht die offizielle Ansicht wider".

Dai Xianglong, der Gouverneur der Peoples Bank of China, will am Dienstag in Peking die Geldpolitik für das laufende Jahr erläutern.Die Verteidigung des Wechselkurses steht dabei ganz oben auf der Agenda.Dies ließ Dai bereits in der vergangenen Woche verlauten.

Erwartet werden von Dai Xianglong auch Hinweise, wie die Regierung das Problem der angeschlagenen Investmentgesellschaften in den Provinzen in den Griff bekommen will.Vor zwei Wochen stellte die Guangdong International Trust and Investment Company (GITIC), Chinas zweitgrößte Investmentgesellschaft, den inzwischen gerichtlich genehmigten Antrag auf Eröffnung des Liquidationsverfahrens.Seitdem kommen fast täglich neue Hiobsbotschaften über in Not geratene ITICS und mit ihnen verbundene Firmen.Die ITIC-Turbulenzen, so berichten Banken-Insider, veranlassen ausländische Geldhäuser, die Kreditvergabe zu bremsen.

Um die ausländischen Direktinvestitionen zu beleben, die im vergangenen Jahr nur noch um 0,7 Prozent zumnahmen, entsendet die chinesische Regierung derzeit zahlreiche Inspektoren in die Küstenprovinzen Guangdong, Fujian, Jiangsu, Shandong und Liaoning, um die vor Ort übliche Abschöpfung ausländischer Investoren durch zahlreiche - inzwischen verbotene - Zusatzgebühren zu unterbinden.

Um die Exporte anzuregen wurde zu Jahresbeginn die Zahl jener Rohstoffe, für die bisher Exportlizenzen beantragt werden mußten, halbiert.Anfang Januar erhielten erstmals private Firmen das Recht zu Außenhandelsgeschäften.Die Exporte, lange Zeit das stärkste Zugpferd der chinesischen Konjunktur, stagnierten im vergangenen Jahr.

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