Wirtschaft : Asiens Börsen wieder auf Talfahrt

Kurse in Seoul und Tokio brechen erneut ein / Wahlausgang in Korea verunsichert die Märkte

HONGKONG/TOKIO/SEOUL (dpa).Verluste von über fünf Prozent an den Aktienbörsen in Tokio und Seoul haben am Freitag die Märkte in ganz Asien mit nach unten gezogen.Außer Jakarta und Manila, die leichte Zuwächse verzeichnen konnten, schlossen alle Börsenplätze in Fernost niedriger ab als am Vortag.Auch die Währungen wurden von der Abwärtsentwicklung beeinflußt und verloren gegenüber dem US-Dollar. In Seoul gaben die Aktienkurse einen Tag nach der Präsidentenwahl deutlich um 5,13 Prozente nach.Der Index Kospi verlor 21,47 Punkte und schloß mit 397,02 Zählern wieder unter der psychologisch wichtigen 400er Marke.Damit endete zunächst der Höhenflug, der in den vergangenen Tagen auf Südkoreas angeschlagenen Finanzmärkten eingesetzt hatte.Der erste Sieg eines Oppositionskandidaten bei Wahlen habe die Investoren "verunsichert", sagte S.K.Kim, ein Analyst von der Hyundai Securities Co.in Seoul.Dabei verwies er auf die Ankündigung von Kim Dae Jung vom oppositionellen Nationalkongreß für Neue Politik (NCNP), strukturelle Veränderungen in der Wirtschaft einzuleiten. "Die gesamte Wirtschaft ist unsicher, wie die neue Regierung die vom Internationalen Währungsfonds verlangten Reformen anpackt", sagte ein anderer Finanzexperte.Die Vertreter des IWF hatten am selben Tag mitgeteilt, an das finanziell angeschlagene Südkorea einen weiteren Teilkredit in Höhe von 3,5 Mrd.US-Dollar freizugeben.Als weiteren Grund für den Kursrutsch nannte der Analyst die starken Schwankungen auf dem Devisenmarkt.Die koreanische Landeswährung fiel am Freitag auf 1550 Won je Dollar. Auch in Tokio stürzten die Kurse ab.Der Nikkei-Index gab 846 Punkte oder 5,2 Prozent auf einen Schlußstand von 15 314 Punkte nach.Analysten machten für die Entwicklung die insgesamt unsichere Konjunkturlage, aber auch die Nachricht vom Konkurs einer großen Lebensmittelkette verantwortlich.Das Unternehmen soll Schulden von über 4 Mrd.US-Dollar (rund 7 Mrd.DM) haben.Beeinflußt vom Aktiengeschehen kletterte der US-Dollar trotz Interventionen der japanischen Notenbank wieder über die Marke von 129 Yen. Der Hongkonger Hang Seng-Index schnitt nach positiven Ergebnissen in der zurückliegenden Woche mit einem Minus von 3,2 Prozent auf einem Stand von 10 405 Punkten ab.Experten machten dafür die Schwäche an der Wall Street (Minus 1,4 Prozent), aber auch die depressive wirtschaftliche Lage in der Region, vor allem in Südkorea und Japan, verantwortlich.Auch die meisten anderen Börsen in Asien blieben auf der Verliererseite und verzeichneten Verluste von durchschnittlich einem Prozent. Ungeachtet des erneuten Kurssturzes will die japanische Regierung keine weiteren Maßnahmen zur Stimulierung der schwachen Konjunktur ergreifen.Das erklärte Regierungssprecher Kanezo Muraoka am Freitag in Tokio.Am späten Abend wollte die Regierung ihre Wirtschaftsprognose für das am 1.April beginnende Fiskaljahr 1998/99 veröffentlichen.Bereits am Donnerstag war bekanntgeworden, daß sie mit einem realen Wachstum von 1,9 Prozent rechnet, nach nur 0,1 Prozent im laufenden Finanzjahr.

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