Wirtschaft : Asiens Märkte bleiben Wackelkandidaten

Analysten raten zur Vorsicht / Erneute Kursverluste in Hongkong

BERLIN (dr).An den asiatischen Aktienmärkten setzte sich am Mittwoch der Kursrutsch an den Aktienmärkten fort.Allein in Hongkong verlor der Hang-Seng-Index knapp vier Prozent auf 9607 Punkte.Das Kursbarometer sackte damit zum dritten Mal seit der Rückgabe der Kronkolonie an die Volksrepublik unter die Marke von 10 000 Zählern. Andreas Bürger, Fondsmanager für die "Emerging markets" bei der Dresdnerbank investment managements (dbi), sieht denn auch kein schnelles Aufleben der Märkte in Südostasien.Ursache sind unter anderem die enge Bindung des Hongkong-Dollars an den US-Dollar.Diese Bindung durch das sogenannte currency board system würden aber sowohl Hongkong als auch das Mutterland China auf jeden Fall beibehalten wollen, und die Devisenreserven beider seien sehr groß.In Hongkong erreichen sie rund 85 Mrd.Dollar, in China schätzungsweise 115 Mrd.Dollar.Daß diese auch eingesetzt würden, ist für ihn sehr wahrscheinlich, denn eine Ablösung des Hongkong-Dollars vom US-Dollar bedeute gerade für China einen enormen Gesichtsverlust. Die Koppelung zwingt die Regierung in Hongkong allerdings dazu, das Zinsniveau hoch zu halten.Zur Zeit liegt es bei rund 13 Prozent.Sobald es unter 10 Prozent sinke, setze die Spekulation, aber auch die Nachfrage der großen Unternehmen nach US-Dollar ein, so Bürger.Beim derzeitigen Niveau sind in seinen Augen die Aktienmärkte immer noch etwas überbewertet. Der nächste Wackelkandidat ist für ihn Korea.Dies liege vor allem an den enorm hohen Schulden der Unternehmen.Zwar versuche man, in diesem Land noch einiges unter der Decke zu halten.Nach den Wahlen im Dezember gehe es dann aber wohl los. Auch für Uwe Dürkop, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin, bleiben die Märkte in Südostasien wechselhaft.Zu viele Länder müßten mit schlechten Nachrichten aufwarten, weil schon andere Staaten schlechte Nachrichten verkündet hätten.Auch er ist der Überzeugung, daß der Hongkong-Dollar an den amerikanischen Dollar gekoppelt bleiben wird.Für China, das in Hongkong das Modell "ein Land mit zwei Systemen" vorführen wolle und die ehemalige Kronkolonie zudem als Fenster betrachte, wären die politischen Kosten bei einer Loslösung enorm hoch.Die Devisenreserven seien hoch, und die Zahlungsbilanz befinde sich eher im positiven Bereich.Die großen Kapitalzuflüsse seien eher das Problem.Auch das Argument, daß täglich Milliarden von Dollars den Erdball umkreisten, schreckt ihn nicht.Umsätze seien schließlich das eine, Salden, die am Ende übrig blieben, das andere. Schließlich seien die fundamentalen Daten in der Region, anders als beispielsweise in Lateinamerika, immer noch gut.Die deutlichen Abwertungen in der Region (außer Hongkong) schüfen zudem neue Gewinnchancen.Er rechnet mit etwa ein bis zwei Jahren, bis der sogenannte "bubble" wieder "ausgedellt" sei.

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