Wirtschaft : „Asoziale Personalpolitik“

Verdi-Vorstand erwägt Verbot von Kündigungen

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Herr Foullong, die stellvertretende Verdi- Chefin hat einen Boykott von Unternehmen ins Gespräch gebracht, die trotz hoher Gewinne Personal entlassen. Wäre das ein Mittel gegen die Deutsche Bank?

Das müssen wir gut überlegen, wie es auch Frau Mönig-Raane gesagt hat. Vorrang hat sicherlich die Forderung an den Vorstand, die asoziale Personalpolitik zu beenden. Und im Rahmen einer sozialorientierten Personalpolitik werden wir uns für ein gesetzliches Verbot betriebsbedingter Kündigungen in profitablen Betrieben einsetzen.

Die Deutsche Bank ist international tätig und verdient das meiste Geld auf den Kapitalmärkten, also muss sie sich an internationalen Gepflogenheiten orientieren.

Auch in Deutschland macht die Deutsche Bank gute Gewinne. Und selbstverständlich hat sich der Vorstand auch auf der Grundlage des Grundgesetzes zu bewegen: Eigentum verpflichtet. Dadurch sind Entlassungen untersagt, wenn Gewinne gemacht werden.

Auch mit dem Personalabbau soll der Börsenwert der Bank erhöht und somit eine feindliche Übernahme blockiert werden.

Das ist ein Vorwand. Selbst wenn die angestrebte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent erreicht ist, bleibt das Risiko einer „feindlichen Übernahme“. Die Manager sollten sich weniger auf Personalabbau und mehr auf Innovationen und neue Geschäftsfelder konzentrieren.

In den letzten fünf Jahren wurden mehr als 70 000 Bank-Arbeitsplätze gestrichen. Ist der Stellenabbau nun vorbei?

Er hat sich nur abgeschwächt, es gibt noch Personalabbau. Das ist verrückt, denn Banken sind eine Zukunftsbranche; die Nachfrage nach Finanzdienstleistungen und Vorsorgeprodukten steigt.

Im Frühjahr gibt es Tarifverhandlungen für die 700 000 Bankangestellten. Was wird gefordert werden?

Das entscheiden wir Anfang April. In jedem Fall gibt es keinen Grund für Zurückhaltung, das werden die Bilanzen der Banken in den kommenden Wochen zeigen. Die Banken haben ein gutes bis sehr gutes Geschäftsjahr hinter sich und wir brauchen deutliche Gehaltssteigerungen gegen die lahme Binnennachfrage.

Uwe Foullong

ist im Vorstand

der Dienstleistungs-

gewerkschaft Verdi

zuständig für Banken und Versicherungen.

Mit Foullong sprach Alfons Frese.

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