Wirtschaft : Atempause für Karstadt-Quelle

Die Kapitalerhöhung ist sicher–doch der Verhandlungspoker mit den Aktionären hat Spuren hinterlassen

Dagmar Rosenfeld

Berlin - Die Gefühle am Morgen danach sind gemischt bei Karstadt-Quelle. Erleichtert ist man nach der am Donnerstagabend erzielten Einigung zwischen Konzern und Kleinaktionären. Der Weg für eine Kapitalerhöhung und damit in eine bessere Zukunft sei nun frei, heißt es am Freitag im Warenhauskonzern.

Bei den sechs Aktionären, die auf der Hauptversammlung am Montag Widerspruch gegen die Kapitalerhöhung eingelegt hatten, ist von Euphorie gleichwohl wenig zu spüren. Die Einigung sei ein vernünftiger Kompromiss, sagt Leonhard Knoll, Vorstandsmitglied des Vereins zur Förderung der Aktionärsdemokratie (VfA). Der VfA hat drei der Aktionäre vertreten. „Mehr ist aber angesichts der Drohungen und Beschimpfungen gegen uns Kleinaktionäre nicht möglich.“ Eigentlich hätten die Banken in die Pflicht genommen werden müssen, weil sie sich an der Karstadt-Krise bereichern würden. „Die Banken haben die Besicherung ihrer Kredite gesteigert und gleichzeitig ihre Zinsspanne deutlich erhöht“, sagt Knoll. Aber dieses Thema habe man in den Verhandlungen mit dem Konzern gar nicht mehr angesprochen.

Karstadt-Quelle hatte sich nach langen Verhandlungen verpflichtet, die neuen Aktien nicht unter einem Wert von 5,38 Euro auszugeben. Außerdem sicherte der Vorstand den Aktionären zu, im Geschäftsbericht 2004 einen ausführlichen Risikobericht vorzulegen und ihnen Einsicht in das Roland-Berger-Gutachten zur Sanierung des Konzerns zu geben. Der für die widersprechenden Kleinaktionäre wichtigste Passus der Einigung ist aber eine Unterlassungserklärung, die Aufsichtsratsmitglieder aus dem Gewerkschaftslager unterzeichnet haben. Verdi-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold und Karstadt-Betriebsrats-Chef Wolfgang Pokriefke hatten erklärt, die Kleinaktionäre würden 100000 Arbeitsplätze aufs Spiel setzen. Es gehe ihnen nur darum, Geld abzuzocken.

Das dürfen Wiethold und Pokriefke nun nicht mehr sagen. „Wenn sie es doch tun, dann müssen sie eine Geldstrafe in Höhe von 100000 Euro zahlen, das steht in der Unterlassungserklärung, die beide unterzeichnet haben“, sagt Knoll. Er sagt das mit Genugtuung. Denn am Ende ging es für die Kleinaktionäre in den Verhandlungen mit Karstadt-Quelle offenbar vor allem um eins – um ihre Ehre. „Da ist eine ganz widerwärtige Schlammschlacht gegen uns initiiert worden“, sagt Kleinaktionär Karl-Walter Freitag. Auch er hatte am Montag Widerspruch eingelegt.

Freitag hat in den vergangenen Tagen von seinem Kölner Büro aus mit dem Karstadt-Vorstand und -Aufsichtsrat, mit Justiziaren und Beratern verhandelt. Dabei seien Faxe und E-Mails hin- und hergegangen, per Konferenzschaltung Forderungen formuliert und abgelehnt oder angenommen worden. „Am Anfang haben sie erstmal zu allem gesagt: Das geht nicht“, sagt Freitag. Aber je später der Abend geworden sei, desto entgegenkommender habe sich Karstadt-Quelle gezeigt. Anders als die VfA-Leute ist Freitag Einzelkämpfer. Er selbst bezeichnet sich als „bekennenden Spekulanten“. Sein Beruf sei es, sein eigenes Vermögen zu verwalten.

Auch wenn sich Karstadt-Quelle mit seinen Kleinaktionären einig geworden ist und der Kapitalerhöhung von 500 Millionen Euro nun nichts mehr im Wege steht – Probleme gibt es immer noch. So verlangen die Banken die Berufung eines eigenen „Chief Restructuring Officers“, der die Sanierungsschritte im Vorstand verantworten soll. Der wiederum bevorzugt aber eine externe Beratung durch Roland Berger. Auch die Gerüchte über eine Auswechslung des Vorstands verstummten am Freitag nicht. Karstadt-Chef Christoph Achenbach hat bislang nur einen Etappensieg errungen.

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