Wirtschaft : „Atomausstieg überprüfen“ Stromwirtschaft fordert Vorgaben für den Neubau von Kraftwerken

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Berlin (fo). Die deutsche Elektrizitätswirtschaft will sich eine Option zur Nutzung der Kernenergie offen halten. Die zwischen Regierung und Unternehmen geschlossenen Verträge zur schrittweisen Abschaltung der Atomreaktoren „sollten regelmäßig überprüft werden“, forderte der Präsident des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), Werner Brinker, am Dienstag in Berlin. Brinker begründete dies mit dem Klimaschutz und der Versorgungssicherheit. Es müsse immer wieder die Frage gestellt werden, ob es sinnvoll sei, Kernkraftwerke tatsächlich wie vereinbart abzuschalten. Brinker verweis auch auf das Beispiel Schweden. Dort wurde schon 1980 der Ausstieg beschlossen. Jetzt stellen die Schweden fest, dass sie die Planung für den Ersatz vergessen hatten.

In Deutschland müssen laut VDEW bis etwa 2020 rund 40 Prozent der Kraftwerkskapazitäten wegen Veralterung der Anlagen und wegen des vereinbarten Atomausstiegs ersetzt werden. Und „zur Zeit gibt es keine klare politische Antwort“, so Brinker, welche Energie die Atom und Kohlekraftwerke ersetzen soll. Steinkohle und Braunkohle produzieren derzeit 51 Prozent des Stroms, die Kernenergie macht 31 Prozent aus, die erneuerbaren Energien (Wasser, Wind, Bio) decken inzwischen neun Prozent. Brinker glaubt nicht, dass der Bedarf allein durch den Bau von Erdgaskraftwerken gedeckt werden könnte. Dafür reichten die Leitungskapazitäten und Liefermöglichkeiten nicht aus. Bislang werden erst sieben Prozent des Stroms mit Gas erzeugt. Nach seiner Einschätzung wird deshalb die Kohle auch künftig eine wichtige Rolle in der Stromversorgung spielen müssen. Die Grünen machen dagegen Druck, vor allem den hoch subventionieren Steinkohlebergbau schnell herunterzufahren.

Brinker wies Vermutungen zurück, dass es innerhalb seines Verbandes Streit um die drohende Energie-Regulierung in Deutschland gebe. Gerade erst hatte Vattenfall-Chef Klaus Rauscher die freiwilligen Vereinbarungen der Industrie zur Stromdurchleitung für gescheitert erklärt. Die Stadtwerke sehen ebenfalls das Ende der Gespräche. Der VDEW setzt dagegen auf die Weiterentwicklung der bestehenden Vereinbarungen. Am 18. Juni ist nächster Gesprächstermin.

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