Atombündnis : Areva macht Siemens Vorwürfe

Das neue deutsch-russische Atombündnis von Siemens stößt beim bisherigen Partner Areva auf Widerstand. Die Deutschen verteidigen die Partnerschaft mit den Russen. Die Franzosen beharren auf einer Sperrklausel.

Berlin -  Am Mittwoch warf der französische Konzern Siemens wegen der geplanten Partnerschaft mit dem russischen Nuklearunternehmen Rosatom Vertragsbruch vor. Siemens unterliege einer Sperrklausel, die dem Unternehmen nach seinem Ausstieg aus der gemeinsamen Tochter Areva NP konkurrierende Aktivitäten untersage, erklärte Areva. Siemens hatte Ende Januar angekündigt, seinen 34-prozentigen Anteil bei Areva NP aufzugeben und an die Franzosen verkaufen zu wollen. Der Wert des Siemens-Anteils an Areva wird auf zwei Milliarden Euro taxiert.

Siemens-Finanzchef Jo Kaeser berichtete unterdessen in einer Analystenkonferenz über zunehmende Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Das Industriegeschäft sei sehr schwach, Osram leide unter dem desolaten Automarkt und auch in der Medizintechnik laufe es nicht mehr rund. Unverändert robust sei dagegen das Geschäft mit Energietechnik.

Gegenüber den Vorwürfen des Partners Areva blieben die Münchener gelassen. „Selbstverständlich kommen wir unseren vertraglichen Verpflichtungen aus dem Joint-Venture mit Areva nach“, sagte ein Siemens-Sprecher. „Im Zusammenhang mit unserer Kündigung des Joint-Ventures sind wir in Gesprächen zwischen den Partnern.“ Am Dienstag hatten Siemens und Rosatom in Berlin eine Absichtserklärung für ihr geplantes Gemeinschaftsunternehmen unterzeichnet. Es soll neue Atomkraftwerke bauen und vorhandene modernisieren.

Im Rahmen der Kooperation mit Areva liefert Siemens bisher nur konventionelle Technik für Kernkraftwerke wie Turbinen und Steuerungsanlagen. Allerdings wird der Elektrokonzern in der neuen Konstellation die Rolle eines Juniorpartners haben. Geplant ist, dass Rosatom eine Mehrheit von 50 Prozent plus eine Aktie an dem Gemeinschaftsunternehmen halten soll. Im Falle einer gleichberechtigten Partnerschaft wäre Siemens Gefahr gelaufen, mit Areva in Vertragsstreitigkeiten zu geraten.

Dieter Marx, Geschäftsführer des Atomforums, betonte das Potenzial der Partnerschaft. Die Russen hätten reichlich Atomphysiker und Lehrstühle zur Kernenergie, also sozusagen Nuklear-Know-how. Siemens wiederum sei erfahren im Projektmanagement. Das Gemeinschaftsunternehmen sei ein weiterer Beleg für „die Renaissance der Kernenergie“, sagte Marx dem Tagesspiegel. Derzeit seien weltweit 32 Anlagen im Bau und rund 70 weitere in Planung. Nur in Deutschland, Österreich und Belgien wolle man auf die Technologie verzichten. Das Atomforum setzt sich als Lobbyorganisation der Energieerzeuger für eine Verlängerung der Laufzeiten ein. Nach derzeitiger Gesetzeslage geht das letzte Atomkraftwerk hierzulande 2022 vom Netz. alf/dpa

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