• Atomkonsens: Die Kraftwerksbauer haben vorgesorgt: Siemens-KWU setzt auf das Ausland - An der Börse gewinnen die Energietitel

Wirtschaft : Atomkonsens: Die Kraftwerksbauer haben vorgesorgt: Siemens-KWU setzt auf das Ausland - An der Börse gewinnen die Energietitel

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Zukunftsängste löst der Atomkonsens beim zweitgrößten Kraftwerksbauer der Welt nicht aus. "Das Inlandsgeschäft mit der Atomkraft macht nur 50 Prozent unseres nuklearen Bereichs aus - die Entwicklung ist ja schon seit Jahren rückläufig", sagt Wolfgang Breyer, Pressesprecher der Siemens-Kraftwerksunion (KWU). Neckar II, das jüngste der deutschen Atomkraftwerke, ging bereits 1989 in Betrieb - seitdem hat es keinen Neubau mehr gegeben. Den größten Teil des Umsatzes von 15,5 Milliarden Mark (1999) macht Siemens-KWU mit konventionellen Kraftwerken, nur zwei Milliarden mit der Atomkraft.

Seit dem der Alstom-Konzern seine Nuklearsparte an Siemens-Westinghouse verkauft hat, ist Siemens-KWU der einzige deutsche Atomkraftwerksbauer. Rund 4000 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen im nuklearen Bereich, davon 3300 in Deutschland. "Diese Arbeitsplätze werden nicht dramatisch wegbrechen", sagt Breyer. Schließlich müssen die Anlagen in den kommenden Jahren gewartet werden. Auch das Auslandsgeschäft soll verstärkt werden.

Dass die Atomkraft in Deutschland keine große Zukunft haben wird, ist den Kraftwerksbauern schon seit Jahren klar. "Wir hoffen, dass wir die Arbeitsplätze, die durch den Atomausstieg wegfallen werden, durch das Auslandsgeschäft ersetzen können", so Breyer. Insgesamt sind in Deutschland laut Breyer rund 40.000 Arbeitsplätze direkt von der Atomkraft abhängig.

Für das Auslandsgeschäft hat sich Siemens-KWU eine gute Position geschaffen: Ende letzten Jahres legten Siemens und der französische Anlagenbauer Framatome ihr Geschäft mit den Kernkraftwerken zusammen und wurden damit zum Weltmarktführer. Das neue Unternehmen, an dem Siemens 34 Prozent der Anteile hält, soll im Herbst seine Arbeit aufnehmen.

"Natürlich liegt unser Hauptgeschäft bei Kohl, Erdgas und Öl", sagt Breyer. Aber auch im Bereich der regenerativen Energien ist Siemens aktiv. "Siemens gehört zu den größten Solarzellen-Herstellern der Welt - da haben wir unsere Finger am Puls", schildert Breyer. Bei der Wasserkraft ist Siemens-KWU ein Joint-venture mit dem deutschen Maschinenbauer Voith eingegangen, bei der Windkraft liefert man die Ausstattung für andere Unternehmen. "Leicht steigend", so Breyer, ist das Geschäft mit der Biomasse: Demnächst wird Siemens-KWU in den Niederlanden Europas größtes Biomasse-Kraftwerk fertig stellen.

Dank der Energiepolitik der Bundesregierung boomt zurzeit vor allem die Solarenergie: Seitdem das neue Energie-Einspeisegesetz verabschiedet wurde, ist die Einspeisung von Solarstrom ein lukratives Geschäft, das mit dem Atomausstieg weiter wachsen soll. "Wir erwarten eine Verdoppelung unserer Umsätze", sagt Thomas Keup von der Berliner Solon AG. Das Unternehmen, das im vergangenen Jahr noch einen Verlust von sieben Millionen Mark auswies, rechnet damit, dieses Jahr den Ausgleich zu schaffen.

An der Börse liebt man zurzeit sowohl die alten wie auch die neuen Akteure auf dem Energiemarkt. Die Kurse der Solarunternehmen sind in den vergangenen Monaten in die Höhe geschnellt. Alfred Platow, Vorstandsmitglied der Versiko AG, empfiehlt die Aktien weiter zum Kauf: "Für einen Einstieg ist es nicht zu spät - der Trend wird in den nächsten Jahren weiter anhalten." Vorsichtiger beurteilt Platow dagegen ein Engagement bei der Windenergie. Er geht davon aus, dass erst im nächsten Jahr klar werden wird, ob sich die Windkraft behaupten kann. Und auch die großen Energieversorger gehören seit Monaten zu den Marktgewinnern und werden weiter empfohlen: Einen Tag nach dem Atomkonsens empfahl die Bankgesellschaft Berlin am Donnerstag Veba und Viag zum Kauf, RWE zum Halten.

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