Wirtschaft : Atomkonzern kauft Windradbauer

Repower aus Hamburg ist Franzosen 850 Millionen Euro wert. Die Branche hofft auf höhere Investitionen

Bernd Hops

Berlin - Der französische Atomtechnikkonzern Areva will die Mehrheit am deutschen Hersteller von Windkraftanlagen Repower übernehmen. Am Montagmorgen wurde ein entsprechendes Angebot veröffentlicht. Der Repower-Vorstand teilte mit, man befürworte grundsätzlich eine engere Zusammenarbeit. Areva begründete den Schritt damit, dass Wachstum sowohl bei Atomkraftwerken als auch bei erneuerbaren Energien zu erwarten sei, und will je Repower-Aktie 105 Euro zahlen, vergangene Woche notierte das Papier bei lediglich knapp 90 Euro. An der Börse wurde auf einen größeren Aufschlag spekuliert. Der Kurs hielt sich bis zum Abend über der Marke von 110 Euro. Außerdem könnte es nach Einschätzung von Experten zu weiteren Übernahmen kommen. An der Börse verteuerten sich deshalb auch die Papiere von anderen Produzenten von Windkraftanlagen wie Nordex (plus 6,5 Prozent).

Areva ist einer der größten Anbieter von Energietechnik weltweit. Der Konzern hat einen Jahresumsatz von mehr als zehn Milliarden Euro, knapp 70 Prozent davon mit Nukleartechnik. Rund 58 800 Beschäftigte arbeiten für Areva, davon mehr als die Hälfte in Frankreich. Das Unternehmen war schon Ende 2005 bei Repower eingestiegen und hielt vor dem Übernahmeangebot bereits 29,9 Prozent. Der Hersteller von Windkraftanlagen hat einen Jahresumsatz von 450 Millionen Euro und schrieb 2006 wieder schwarze Zahlen nach zwei Jahren mit Verlusten. In Deutschland hat Repower einen Marktanteil von 7,6 Prozent (siehe Grafik) und weltweit von 3,1 Prozent. Areva bewertet das Unternehmen mit 850 Millionen Euro.

Das stärkere Engagement der Franzosen wird in der Branche begrüßt. „Wir sehen das positiv“, sagte Ralf Bischof, Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie (BWE), dem Tagesspiegel. Die Entwicklung gebe es allerdings schon länger. Auch andere große Konzerne wie Siemens und General Electric hätten Hersteller von Windkraftanlagen übernommen, um sich breiter aufzustellen und vom Trend bei den erneuerbaren Energien zu profitieren.

Man müsse sich nun fragen, wann die verbliebenen Konzerne, die sich noch nicht engagiert haben – wie zum Beispiel Alstom –, nachzögen. „Es ist zu merken, dass es ein Umdenken gibt“, sagte Verbandsgeschäftsführer Bischof. „Man kann nur hoffen, dass die Konzerne die Kapitalkraft nutzen, um schnell zu expandieren.“ Denn seit zwei Jahren sei die Nachfrage nach Windanlagen weltweit größer als das Angebot. „Wir brauchen mehr Windturbinen“, sagte Bischof

Auch Analysten schätzen, dass die Wahrscheinlichkeit von Übernahmen gestiegen ist. Arndt Krakau, Windenergieexperte von der HSH Nordbank in Hamburg, sagte, viele Windkraftunternehmen seien zu klein, um im Alleingang die Risiken der anstehenden Großinvestitionen schultern zu können. mit HB

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