Atomkraftwerke : 100 Millionen Euro für Krümmel und Brunsbüttel

Die Reparaturarbeiten in den Atomkraftwerken dauern an. Vattenfall wirbt mit dem Ex-Diplomaten Hans Blix für diese Technologie.

Alfons Frese

Berlin - Ein paar kaputte Dübel können eine Menge Geld kosten. Auf 100 Millionen Euro beziffert der Energiekonzern Vattenfall inzwischen die Reparaturkosten in den Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel. Beide AKW waren im Sommer 2007 nach Störfällen außer Betrieb genommen worden. Nach Kurzschlüssen war es in den Anlagen zu Bränden gekommen. Im Zusammenhang mit den Pannen hatte der damalige Chef der deutschen Vattenfall Europe AG, Klaus Rauscher, seinen Job verloren. Bis heute sind die Anlagen nicht wieder in Betrieb; durch den Stillstand entgehen Vattenfall pro Tag Erlöse von einer Million Euro.

Der Chef der deutschen Vattenfall, Tuomo Hatakka, erläuterte am Mittwoch am Berliner Konzernsitz Details der Reparaturen. In Krümmel seien inzwischen alle schadhaften 400 Dübel ausgewechselt, an 39 Armaturen müsse noch die Oberfläche mit einem Spezialverfahren saniert werden. In Brunsbüttel seien 32 Armaturen betroffen und fast 1100 Dübel, wovon bislang 780 erneuert wurden. Eine Prognose, wann die beiden in Schleswig-Holstein liegenden Kraftwerke wieder in Betrieb gehen, wollten weder Hatakka noch sein aus Schweden angereister Chef, Lars Josefsson wagen. Man wolle auf keinen Fall die Aufsichts- und Genehmigungsbehörden verärgern, indem man voreilig Termine in die Welt setze, begründete Hatakka das defensive Verhalten der Konzernspitze, die am Mittwoch mit dem ehemaligen Diplomaten Hans Blix für die Kernkraft warb.

Der frühere schwedische Außenminister, Chef der Internationalen Atomenergieorganisation und UN-Waffeninspekteur im Irak, bildet zusammen mit dem Schweizer Atommanager Peter Hirt einen sogenannten Sicherheitsrat. „Damit wollen wir die Standards unserer Kernkraftwerke so erhöhen, dass wir international Maßstäbe setzen“, sagte Josefsson. Der schwedische Staatskonzern betreibt in Schweden und Deutschland insgesamt neun Atomkraftwerke. Blix sagte, er wolle helfen, die Kernenergie sicherer zu machen. „Ich nutze dazu meine Unabhängigkeit und meinen kritischen Geist.“ Ihm sei zwar die Problematik der Endlagerung des Atommülls bewusst, doch dieses Thema relativiere sich angesichts des Klimawandels. Bei der Stromerzeugung in Atomkraftwerken wird so gut wie kein CO2 in die Luft geblasen.

Josefsson bekräftigte das Ziel, bis 2050 überhaupt kein CO2 mehr zu produzieren. Dazu setzt Vattenfall auf erneuerbare Energien (Wind, Wellen und Biomasse), Kernenergie und die CO2-Abscheidung in Kohlekraftwerken. Heute stammen 30 Prozent des Vattenfall-Stroms aus Kernkraft, 23 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern und der Rest aus Kohle. Vattenfall baut ab und verstromt in Ostdeutschland massiv Braunkohle, nach Gas und Steinkohle der mit Abstand klimaschädlichste Brennstoff. Beim Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe in der Lausitz hat der Konzern deshalb 2008 eine Pilotanlage zur Abscheidung des CO2 beim Verbrennungsprozess in Betrieb genommen. Jedoch sind Transport und unterirdische Lagerung des CO2 noch umstritten. Das erste industriell betriebene Kohlekraftwerk mit CO2-Abscheidung wird wohl erst in zehn Jahren in Betrieb gehen.

Bis dahin und darüber hinaus setzt der Konzern, der in der Bundesrepublik nach Eon und RWE die Nummer drei ist, auf Atomkraft. Allerdings ist das Ende von Brunsbüttel und Krümmel, unabhängig von der Wiederinbetriebnahme, in Sicht: Brunsbüttel hat nach dem deutschen Atomgesetz noch eine Restlaufzeit von zwei, Krümmel von sieben Jahren. „Technisch wäre es möglich, die Laufzeit um 20 Jahre zu verlängern“, sagte Hatakka.

Eon und RWE wollen im europäischen Ausland neue Atommeiler bauen. Die beiden Energiekonzerne gründeten ein Gemeinschaftsunternehmen zum Bau von Kernkraftwerken in Großbritannien. Es soll neue Atomkraftwerke mit Kapazitäten von mindestens sechs Gigawatt bauen und betreiben, wie die Unternehmen am Mittwoch mitteilten. Beide Konzerne betreiben unabhängig voneinander weltweit bereits 20 Kernkraftwerke. Zudem sind sie gemeinsamer Eigentümer und Betreiber von drei Kernkraftwerks- Blöcken in Deutschland.

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