Wirtschaft : „Attac fehlt die Dynamik“

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Herr Rucht, es gab Zeiten, in denen Attac vor Gipfeln mehr Aufmerksamkeit erregte als die Politiker. Was ist passiert?

Die Bewegung ist etwas erlahmt, es fehlt die Dynamik. Attac hat am Anfang davon profitiert, dass sie eine neue, kreative Organisation war, die sich auf Globalisierung, Finanzströme und Welthandel konzentriert hat. Und sie war frei von parteipolitischen Zwängen. Nach dem G-8-Gipfel in Genua...

...wo 2001 ein Demonstrant getötet wurde...

...waren viele schockiert. Sie suchten eine Plattform für ihre Globalisierungskritik, die Attac ihnen geliefert hat. Das war der Beginn des Booms.

Hat Attac die Globalisierung überhaupt erst zum Thema gemacht?

Nein, das haben vorher auch schon Dritte-Welt-Gruppen getan. Aber sie waren für die Medien nicht greifbar. Sie hatten keinen Sprecher, kein Büro. Attac hat all das geboten. Und hat durch die Medien einen Kultstatus erlangt, der nicht in Relation stand zur tatsächlichen Bedeutung der Organisation.

Und jetzt kommt das große Erwachen?

Jetzt kommt die Normalität. Getragen von der Anfangseuphorie, hat Attac auch den Fehler gemacht, sich in alles Mögliche einzumischen. Dabei hatten sie inhaltlich nicht immer viel zu bieten.

Hat die Linkspartei Attac geschwächt?

Sicher. Sie besetzt ähnliche Themen, hat auch bestimmte Vorteile gegenüber Attac. Sie hat einen größeren finanziellen Spielraum und genießt zurzeit höhere Aufmerksamkeit – auch dank Prominenter wie Oskar Lafontaine. Dadurch haben sich die Gewichte verschoben.

Wird Attac jetzt schnell wieder in der Versenkung verschwinden?

Ich bin keineswegs skeptisch, was die Zukunft angeht. Attac ist dabei, sich auf die Kernkompetenz Globalisierungskritik zu konzentrieren. Das ist der richtige Weg.

Dieter Rucht (60) ist Experte für soziale Bewegungen am Wissenschaftszentrum Berlin und sitzt im wissenschaftlichen Beirat von Attac. Das Gespräch führte Maren Peters.

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