Wirtschaft : AUB rechnet mit Ex-Chef Schelsky ab

Siemens zahlte jahrelang für eine gefügige Arbeitnehmerlobby. Jetzt versucht sich die AUB im Konzern neu zu finden.

Nürnberg - Die in den Siemens-Korruptionsskandal verwickelte Arbeitnehmerorganisation AUB hat erstmals umfassend eingeräumt, Teile des Apparats mit privatem Geld ihres früheren Vorsitzenden Wilhelm Schelsky finanziert zu haben. So habe der inzwischen in Untersuchungshaft sitzende frühere AUB-Chef die Mitarbeiter in den fünf AUB-Geschäftsstellen entlohnt, berichtete der neu gewählte fünfköpfige Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) am Sonntag in Nürnberg. Der neue AUB-Bundesvorsitzende, Airbus-Betriebsrat Rainer Koob, versicherte: „Diese Ein-Mann-Show ist jetzt vorbei.“

Schelsky steht im Verdacht, Millionen Euro von Siemens zum Aufbau einer Gegengewerkschaft zur IG Metall erhalten zu haben.

Nach Angaben des neuen AUB-Schatzmeisters Andreas Braum hat Schelsky außerdem bei AUB-Mitgliederversammlungen die Übernachtungs- und Bewirtungskosten der Versammelten übernommen. Auch aufwendige Werbegeschenke und „anderen Luxus, den es künftig nicht mehr geben wird“, habe der frühere AUB-Chef privat finanziert.

Nach dem Ausbleiben der Schelsky-Gelder hat die bisherige AUB- Spitze den Organisationsapparat stark gestrafft. Von den bislang fünf AUB-Geschäftsstellen gebe es nur die Hauptstelle in Nürnberg. Zur Bewältigung der Finanzkrise beschlossen die rund 300 Teilnehmer der Mitgliederversammlung außerdem eine Anhebung des Monatsbeitrags von acht auf zwölf Euro.

Der neue Vorstand räumte ein, dass die Schelsky-Affäre die AUB auch Mitglieder gekostet habe. Bundesweit seien rund 500 Austritte verzeichnet worden. Bei Siemens habe rund ein Drittel der „weit mehr als 1000 Betriebsratsmitglieder“ der AUB den Rücken gekehrt. Die AUB gibt ihre Mitgliederzahl mit rund 30 000 an. dpa

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