Wirtschaft : Auch 2006 stagniert die Konjunktur IW senkt Prognose und beklagt Vertrauenskrise

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Berlin – Die deutsche Wirtschaft wird auf absehbare Zeit stagnieren oder allenfalls schwach wachsen. Das prognostizierte am Montag das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Berlin. „In diesem Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt nur um rund 0,75 Prozent wachsen“, sagte IWDirektor Michael Hüther. Damit halbierte das Institut seine Vorhersage – noch im Januar war es von einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,5 Prozent ausgegangen. Auch für 2006 rechnet das IW nur mit einem Plus von einem Prozent. Hüther: „Deutschland schleppt sich über die Runden.“

Mit seiner Prognose liegt das IW deutlich unter der Projektion der Bundesregierung, die für dieses Jahr 1,0 und für nächstes Jahr 1,6 Prozent Wirtschaftswachstum erwartet. Als Ursache führte IW-Experte Hüther zum einen die nach wie vor hohen Ölpreise und den geringeren Schwung im Außenhandel an. Zum anderen gebe es hierzulande eine „tief gehende Vertrauenskrise“. Trotz der 2004 lebhaften Exportnachfrage hätten die Unternehmen wenig investiert. „Die Investoren trauen sich offensichtlich nicht, überfällige Modernisierungen sowie Kapazitätserweiterungen anzugehen“, stellte Hüther fest.

Generell seien die Unternehmen durch die Ereignisse der vergangenen Jahre – Börsencrash, Terroranschläge, Kriege – „generell misstrauisch“. Hinzu kämen nun der mangelnde Reformeifer von Bundes- und Landesregierungen sowie die von SPD-Chef Franz Müntefering angestoßene Kapitalismusdebatte. Es gebe keine Anzeichen, dass der „ordnungspolitische Rahmen“ weiter reformiert werde. Wegen der nur um drei Prozent zunehmenden Anlageinvestitionen werde die Wirtschaft auch kaum neue Jobs schaffen. Die Zahl der Erwerbstätigen werde in diesem und im nächsten Jahr jeweils nur um 120000 zunehmen. Damit bleibe die Arbeitslosigkeit im Schnitt 2005 bei 4,8 Millionen Menschen.

Unterdessen hat das produzierende Gewerbe – also der Bausektor, die Energiebranche und die Industrie – im März 0,8 Prozent weniger hergestellt als im Februar, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Die für die Konjunktur besonders wichtige Industrieproduktion legte allerdings um 0,3 Prozent zu. brö

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