Wirtschaft : Auch BIZ warnt vor höherer Arbeitslosigkeit

Duisenberg mahnt solidere Haushaltspolitik an / Jahrestagung

BASEL/ZÜRICH (AFP/rtr/AP).Eine stärker auf Stabilität ausgerichtete Haushaltspolitik hat der Präsident der Bank für Internationale Zusammenarbeit (BIZ), Wim Duisenberg, angemahnt.Solide Haushaltspolitik und Währungsstabilität seien eng miteinander verbunden, sagte Duisenberg zum Auftakt der 67.Jahrestagung der BIZ am Montag in Basel.Doch während im Bereich der Währungs- und Geldpolitik ­ vor allem bei der Rückführung der Inflationsraten ­ in den vergangenen Jahren Erfolge erzielt worden seien, bestehe in der Haushaltpolitik noch erheblicher Konsolidierungsbedarf.Hierzu sei mindestens eine engere Zusammenarbeit über Staats- und institutionelle Grenzen hinweg notwendig, betonte Duisenberg. Vor einem möglichen Anstieg der Arbeitslosigkeit durch notwendige Strukturreformen in den Industriestaaten wird in dem ebenfalls am Montag veröffentlichten Jahresbericht der BIZ gewarnt.In den meisten Ländern müßten die öffentlichen Ausgaben weiter reduziert werden, um die Staatsverschuldung abzubauen, die Altersversorgung sicherzustellen und das Gesundheitswesen zu finanzieren.Diese Maßnahmen könnten sich negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken.Optimismus registriert die BIZ hingegen unabhängig von den aktuellen Diskussionen im Hinblick auf die Einführung der gemeinsamen europäischen Währung.Die Akteure auf den internationalen Finanzmärkten hätten im vergangenen Jahr bereits verstärkt auf den Euro gesetzt, heißt es im Jahresbericht. Die 1930 in Den Haag gegründete Bank für Internationale Zusammenarbeit ist die älteste internationale Finanzinstitution der Welt.Die oftmals auch als "Bank der Zentralbanken" bezeichnete BIZ koordiniert die Zusammenarbeit der Zentralbanken und steckt Rahmen für neue internationale Finanzgeschäfte ab.Zudem fungiert sie als Treuhänderin oder Agentin bei internationalen Zahlungsgeschäften.Für ihre rund 100 Zentralbank-Kunden ist die BIZ ein wichtiger Finanzdienstleister. Die Einlagen der europäischen Zentralbanken machen inzwischen weniger als die Hälfte der gesamten Währungs- und Goldeinlagen bei der BIZ aus, die insgesamt 120 Mrd.Dollar betragen.Im regelmäßig tagenden BIZ-Verwaltungsrat sitzen die Notenbankchefs von elf führenden Industrieländern.Präsident und Verwaltunsratsvorsitzender ist derzeit der niederländische Notenbankchef Wim Duisenberg, der zum 1.Juli den Vorsitz des Europäischen Währungsinstituts in Frankfurt am Main übernehmen wird. Zum ersten Mal in der Geschichte der BIZ soll im nächsten Jahr eine Verwaltungsratssitzung in Tokio stattfinden; es wird dann auch das erste Mal sein, daß das Gremium außerhalb Europas zusammentritt.Damit will die Bank den Weg der Globalisierung und der Öffnung für aufstrebende Länder fortsetzen.Bisher fanden die Jahressitzungen fast immer in der BIZ-Zentrale in Basel statt, wo auch am Montag die Jahresversammlung abgehalten wurde, zu der Notenbank-Gouverneure aus rund 100 Ländern erwartet worden waren.Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist bisher aber noch kein BIZ-Sitz vorgesehen.Eine Lösung dieser Frage müßten nach Ansicht von Fachleuten die beteiligten Regierungen finden.

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