Wirtschaft : Auch China kämpft gegen eine Kreditkrise Schattenbanken bedrohen das Finanzsystem

Andreas Landwehr (dpa)

Peking - China kämpft mit einer hausgemachten Schuldenkrise. Selbst in den Staatsmedien sind warnende Vergleiche mit der US-Hypothekenkrise zu hören, die 2008 die Finanzkrise ausgelöst hat. Während die Europäer gerade Peking um Milliardeninvestitionen für ihren Euro- Rettungsschirm bitten, ringt die kommunistische Führung selbst mit Risiken im Finanzsystem und den Gefahren des spürbar langsameren Wachstums.

Sorgen machen nicht nur der Berg fauler Kredite, der sich durch das milliardenschwere Konjunkturprogramm angesammelt hat, oder die hohen Schulden lokaler Regierungen. Die Regierung ist jetzt auch alarmiert über das Schattenbankensystem, das sich seit zwei Jahren explosionsartig und unkontrolliert entwickelt hat. Zwischen zehn und 20 Prozent aller neuen Kredite stammen nach Schätzungen aus diesem informellen Kreditmarkt, der jetzt ins Wanken gerät. Es ist ein undurchsichtiges Geflecht von Unternehmen, Investoren, illegalen Geldverleihern oder skrupellosen Kredithaien.

Regierungschef Wen Jiabao kündigte ein scharfes Vorgehen gegen Zinswucher und illegale Kapitalbeschaffung an. Gleichzeitig müssten die Probleme durch Kreditklemme und Kapitalmangel gelöst werden, „um eine Ausbreitung der Risiken zu verhindern“. Er sicherte kleinen und mittleren Unternehmen Hilfe zu.

Für solche Privatfirmen, die von den Banken keine Kredite bekommen, bot der graue Markt effektive Finanzierungshilfen. Dafür zahlen sie höhere Zinsen. Im Schattenreich des Kreditwesens bedienten sich zunehmend aber auch risikobereite Spekulanten oder Unternehmer, die fallende Gewinne in ihrer Produktion mit Geschäften etwa auf dem boomenden Immobilienmarkt oder selbst als Kreditgeber aufpäppeln wollten. Jetzt platzt die Blase: Das Exportwachstum flaut ab. Die ohnehin geringen Gewinnmargen sinken weiter. Die Verluste steigen. Viele Spekulationen auf dem Immobilienmarkt gehen nicht mehr auf. Auch die Börse ist seit Jahresanfang um 13 Prozent gefallen.

Die Regierung tritt wegen der Inflation auf die Kreditbremse. So fehlt Liquidität, da viel Geld auf dem Graumarkt aus dem offiziellen Bankensystem stammt. Pleiten nehmen zu, Bosse ergreifen die Flucht. „Es fühlte sich an wie ein ständiger Ritt auf dem Tiger“, schilderte Hu Fulin, Chef des größten Brillenglasherstellers Xintai. Er setzte sich im September unter der Last von umgerechnet 166 Millionen Euro in die USA ab. „Ich hatte jede Nacht Albträume.“ Ihm griffen die Banken unter die Arme, so dass Hu Fulin zurückkam. Chinas Staatsmedien feierten seine Rückkehr als Erfolg für die Bemühungen der Behörden, die Kreditkrise zu bekämpfen und strauchelnden Unternehmern zu helfen. Andere wurden in Handschellen zurückgeholt.

„Die Risiken im Schattenbankensystem sind groß, weil Wohnungspreise fallen und sich das Wachstum abschwächt“, warnte das Investmenthaus Barclays. Der Ausfall einiger Projekte könnte eine Welle von Kreditkündigungen auslösen. Nach Erhebungen der Ratingagentur Fitch generiert heute jeder Yuan neuer Kredite nur noch halb soviel Wachstum wie vor fünf Jahren. Die kommunistische Partei fürchtet bereits soziale Spannungen. Regierungschef Wen Jiabao kündigte auch deshalb ein neues „Feintuning“ an. Andreas Landwehr (dpa)

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