Wirtschaft : Auch das Inlandsgeschäft belebt sich

Einmal im Monat veröffentlicht der Tagesspiegel eine Konjunkturkolumne.Abgestimmt mit dem Handelsblatt, das Prognoseinstrumente für West- und Ostdeutschland entwickelt hat, werfen wir einen Blick auf die gesamtdeutsche Wirtschaftslage.



Die westdeutsche Konjunktur bleibt weiter auf Wachstumskurs.Der Handelsblatt- Frühindikator verharrte im Juli auf seinem hohen Niveau von 2,8 Prozent, vor einem Jahr hatte er noch bei 2,1 Prozent gelegen.Dieser Wert zeigt frühzeitig konjunkturelle Wendepunkte an.Er eilt der gesamtwirtschaftlichen Produktion um drei Monate voraus und liefert saisonbereinigte Trends des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe haben nach dem ersten guten Quartal im April nochmals um 1,2 Prozent zugelegt, weil die Exporte erneut kräftig angezogen hatten.Die Bundesbank erklärt das mit günstigen Wechselkursen, den Rationalisierungserfolgen der Unternehmen und geringen Lohnerhöhungen.Neben dem Export belebte sich im April auch weiterhin die Inlandsnachfrage.

Selbst das Sorgenkind Bau wirkt fröhlicher.Im April ist die Nachfrage im westdeutschen Baugewerbe um sechs Prozent saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat geklettert.Dagegen litt der deutsche Einzelhandel im April unter der erhöhten Mehrwertsteuer, der saisonbereinigte Umsatz schrumpfte gegenüber März um sieben Prozent.Der Grund: Wegen der Steuererhöhung zogen viele Verbraucher den Kauf von langlebigen Gütern vor.Rechnet man diese Sparten heraus, sind die Erlöse im Handel längst nicht so stark gesunken.In die Zukunft blicken die Einzelhändler dennoch mit gemischten Gefühlen.Nach einer Umfrage der BBE-Unternehmensberatung erwartet ein Großteil stagnierende Umsätze.Dabei sind die Zinsen weiter günstig.Der Dreimonatszins Fibor - das ist die durchschnittliche Rate, zu der die Banken den Firmen Geld leihen - verharrte im Mai bei 3,73 Prozent.

Auch im Osten nimmt die Wirtschaft wieder Fahrt auf.Das Handelsblatt-Konjunkturbarometer Ost kletterte im Juni um 0,4 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent - den höchsten Stand seit Januar 1996.Grund dafür dürfte die gute Konjunktur im Westen sein, von der der Osten weiterhin abhängt.Im ersten Quartal 1998 wuchs das Bruttoinlandsprodukt Ost mit 2,2 Prozent erstmals seit längerem wieder stärker als im Quartal zuvor.Da hatte es nur um 1,6 Prozent zugelegt.Die Auftragseingänge in der Industrie sind im April saisonbereinigt um sechs Prozent zurückgefallen, vor allem weil im März Großaufträge die Statistik verzerrten.Ebenfalls einen leichten Rückschlag von sechs Prozent mußte die Baubranche im April hinnehmen, nachdem die Nachfrage in den beiden Monaten zuvor geklettert war.Angesichts der negativen Entwicklung einzelner Indikatoren mag der Anstieg des Konjunkturbarometers Ost überraschen.Das Barometer benutzt jedoch mehrmonatige Durchschnittswerte, technische Rückschläge in einem Monat fließen daher nicht in die Berechnung ein.Erst eine Veränderung über mehrere Monate signalisiert eine Trendumkehr.Dies ist derzeit aber nicht zu erkennen.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben