Wirtschaft : Auch die kleinen Firmen sind betroffen

ULRICH MISGELD

Die Mehrheit der Mittelständler unterschätzt noch immer die Folgen der WährungsunionVON ULRICH MISGELDViele Unternehmen betrachten auch neun Monate vor dem Beginn der Europäischen Währungsunion (EWU) die Umstellung auf den Euro als ein reines EDV-Problem.Die Mehrheit der mittelständischen Unternehmen unterschätzt damit eindeutig die Folgen der EWU.Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) in Zusammenarbeit mit dem ifo Institut für Wirtschaftsforschung, München. Auf jeden Fall wird die EWU das Wettbewerbsumfeld auch vieler kleiner und mittlerer Unternehmen verändern.Die Einführung des Euro schafft mehr Preistransparenz und damit mehr Wettbewerb innerhalb der Teilnehmerstaaten.Auch für Unternehmen, die bisher nicht im Auslandsgeschäft tätig waren, bieten sich ab 1.1.1999 bessere Möglichkeiten durch leichter zugängliche europäische Beschaffungs- und Absatzmärkte.Umgekehrt bedeutet dies allerdings, wo durch den verstärkten Wettbewerb Unternehmensschwächen offensichtlich werden, wird dies Konsequenzen für die Konkurrenzfähigkeit im erweiterten europäischen Markt haben. Ob für den einzelnen Unternehmer die Chancen oder die Risiken überwiegen, hängt zu wesentlichen Teilen davon ab, wie und wann er sich insbesondere auch strategisch auf die anstehenden Veränderungen vorbereitet.Von besonderem Gewicht sind hier die Bereiche Beschaffung, Absatz und Marketing.Einige "global players" haben angekündigt, daß sie bereits 1999 auf den Euro umstellen wollen.Davon sind direkte Auswirkungen auf Kunden und Lieferanten dieser Großunternehmen zu erwarten. Das heißt, auch kleine und mittlere Unternehmen werden dem Zwang unterliegen, frühzeitig in Euro anbieten zu müssen.Um das eigene Unternehmen "eurofit" zu machen, ist die Ernennung eines Euro-Beauftragten notwendig, der der Geschäftsleitung unmittelbar unterstellt sein sollte.Dessen Aufgabe ist es, die Betroffenheit durch die EWU zu analysieren, den daraus entstehenden Handlungsbedarf zu ermitteln und die konkreten Umstellungsmaßnahmen zu veranlassen sowie zu kontrollieren. Ein wesentlicher Punkt in diesem Zusammenhang ist die frühzeitige Mitarbeiterinformation, denn nur ein informierter Mitarbeiter wird sich auch für die anstehenden Aufgaben motivieren lassen.Die EWU wird jedes Unternehmen berühren, wobei der Grad der Betroffenheit natürlich von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich sein wird.Besonders hohe Anforderungen stellen sich insbesondere dem Einzelhandel mit der möglichen doppelten Preisauszeichnung sowie der Automatenwirtschaft, die ihre Geräte auf die neuen Münzen und Scheine umstellen müssen.Zumindest kurzfristig beleben wird sich das Geschäft für Software-Unternehmen, die entsprechende Euro-updates anbieten sowie für Unternehmen, die EWU-Beratungsdienstleistungen offerieren. Die Berliner Volksbank bietet ihren Firmenkunden verschiedene Hilfestellungen bei der Vorbereitung auf die Europäische Währungsunion an. Im Vordergrund stehen dabei natürlich die Informationen über die anstehenden Veränderungen und die notwendigen Reaktionen im eigenen Unternehmen darauf.Zu diesem Zweck bietet die Bank Vorträge in den Filialen, bei Veranstaltungen der Unternehmerverbände aber auch direkt im Unternehmen an.Weiterhin hält das Institut verschiedene Publikationen zum Thema Euro für ihre Kundschaft bereit.Hervorzuheben sind hier die Euro-Bausteine, wie z.B.der "Euro-Betroffenheits-Check" und der "Leitfaden für Unternehmen zur Umstellung auf den Euro". Ersterer ermöglicht es den Firmenkunden in kürzester Zeit festzustellen, ob sie und wenn, wie stark von der Einführung der neuen Währung betroffen sind.Im nächsten Schritt, d.h.nach festgestellter Betroffenheit, liegt ein in Frageform aufgebauter Umstellungsleitfaden bereit. Der erste Teil des Leitfadens verdeutlicht die Auswirkungen auf die allgemeine und strategische Unternehmensführung, um dann im zweiten Teil den eigentlichen Unternehmens-Check durchzuführen.Bei diesem Check werden alle wesentlichen Unternehmensbereiche systematisch auf ihre Euro-Tauglichkeit untersucht. Im Rahmen der Unternehmerakademie der Berliner Volksbank wurde im Februar diesen Jahres ein zweitägiger Euro-Workshop für interessierte Firmenkunden durchgeführt.Bei dieser Veranstaltung wurde deutlich, daß Hilfestellung seitens der Hausbank, insbesondere bei der Projektorganisation, gewünscht wird.Aus diesem Grund bietet die Berliner Volksbank ihren mittelständischen Kunden zukünftig die Durchführung von Kick-Off-Veranstaltungen zum Euro-Projekt im eigenen Unternehmen an.Desweiteren wurde eine Euro-Hotline eingerichtet, die unter der Nummer 030/3063-1999 alle Fragen rund um den Euro beantwortet. Die Umstellung innerhalb der Bank auf den Euro sind bereits weit fortgeschritten, so daß alle Dienstleistungen ab dem 1.1.1999 auch in Euro angeboten werden können.Die Empfehlungen der Berliner Volksbank an ihre Kunden, so schnell als möglich "eurofit" zu werden, bezieht sie selbstverständlich auch auf sich selbst. Der Autor ist Sprecher des Vorstandes der Berliner Volksbank eG.

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