Wirtschaft : Auch die schwächste aller Lösungen hilft jetzt nicht mehr

Antje Sirleschtov

Philipp Holzmann wird zum Fanal. Der Betriebsrat des Frankfurter Bau-Konzerns wird einer Vereinbarung zustimmen, die die längst überfällige Reform des Flächentarifs offensichtlich macht.

Denn: Wenn alle Mitarbeiter von Holzmann für 18 Monate auf sechs Prozent ihres Lohnes verzichten und 43 Stunden pro Woche arbeiten, bricht der Konzern den Flächentarifvertrag der Branche. Gewerkschaft und Arbeitgeberverband eröffnen sich zwei Möglichkeiten, das zu verhindern. Entweder sie nutzen den Fall Holzmann und verständigen sich auf eine Flexibilisierung des Flächentarifs. Oder sie beharren auf dem starren Tarifwerk. Dann müssen sie offensiv gegen die hausinterne Lösung von Holzmann vorgehen und sie rechtlich bekämpfen. Nur so kann verhindert werden, dass die Bindung der deutschen Baubetriebe an den Branchen-Tarifvertrag Makulatur wird, bald jeder Baubetrieb der Holzmann-Lösung folgt und der Flächentarifvertrag der Bau-Branche am Ende ist. Opponieren Gewerkschaften und Arbeitgeber jedoch gegen Holzmann, droht dem Konzern ein Millionen-Loch im Sanierungskonzept - der zweite Insolvenzantrag stünde vor der Tür. Die Tarifparteien müssen sich zuschreiben lassen, die Glaubwürdigkeit ihres eigenes Vertrages der Existenz des zweitgrößten deutschen Baukonzerns geopfert zu haben.

Auch die schwächste aller Lösungen hilft jetzt nicht mehr. Selbst wenn man den zeitlich befristeten Haus-Vertrag von Holzmann im Tarifvertrag als Fußnote legalisiert und damit nach der "Lex Viessmann" in der Metallbranche eine "Lex Holzmann" im Baugewerbe schafft: Den Flächentarifvertrag in seiner aktuellen Form rettet das nicht mehr.

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