Wirtschaft : Auch die Steuerzahler stehen im Obligo

JÜRGEN ELSÄSSER

Streit um Hermes-BürgschaftenVON JÜRGEN ELSÄSSER BERLIN.Die Verluste deutscher Banken im Südostasiengeschäft werden vermutlich auf den Steuerzahler durchschlagen, prognostizierte Professor Rüdiger Machetzki, Chefökonom am Institut für Asienkunde in Hamburg, im Gespräch mit dem Tagesspiegel.Anlaß ist die Erklärung des Bundeswirtschaftsministeriums vom Mittwoch, wonach sich die Summe aller Hermes-Bürgschaften des Bundes für die krisengeschüttelte Region auf 25 Mrd.DM beläuft.Machetzki befürchtet eine Belastung bereits im laufenden Haushaltsjahr: "Wenn uneinbringbare Schulden durch Hermes-Bürgschaften gedeckt sind, zahlt letzten Endes der Steuerzahler." Das Bundeswirtschaftsministerium hat solche Befürchtungen zurückgewiesen.Man rechne nicht mit nennenswerten Bürgschaftszahlungen.Bislang seien die Partner in Asien ihren Verpflichtungen nachgekommen.Auch die SPD-Finanzexpertin Ingrid Matthäus-Maier warnte am Donnerstag vor einer "Panikmache". Machetzki warnte vor Verharmlosung.Während die Deutsche Bank nun als Risikovorsorge für Asien 1,4 Mrd.DM zurückstellt, hatten Analysten den Bedarf kurz zuvor nur auf 120 Mill.DM geschätzt."Die Analysten haben die Asienkrise von Anfang an unterschätzt.Erst langsam setzt sich eine Einschätzung durch, die dem Ernst der Lage angemessen ist." Größter Fehler sei es, die Asien-Krise ausschließlich aufgrund der Wirtschaftsdaten zu beurteilen."Wirtschaftsreformen wären ökonomisch möglich, doch dagegen steht die politische Psychologie in diesen Staaten.In Hongkong gab es in den letzten Wochen zwanzig Selbstmorde von Managern.Es herrscht nach wie vor eine Panikstimmung - da verbieten sich Prognosen."

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