Wirtschaft : Auch die Veag lehnt Stromdurchleitung ab

BERLIN (mhm/HB).Der durch die Liberalisierung der Strommärkte ausgelöste Preisrutsch wird sich nach Worten des Vorstandsvorsitzenden der Veag, Jürgen Stotz, fortsetzen.In Skandinavien lägen die Preise beispielsweise um rund 10 bis 15 Prozent unter den deutschen Preisen.Überkapazitäten aus dem deutschen und europäischen Markt würden preisdrückend angeboten.Auch bei der Vereinigten Energiewerke AG (Veag), Berlin, habe es schon mehrere Dutzend Anfragen nach Durchleitung von Strom in das Versorgungsgebiet gegeben, die man aber abgelehnt habe.Dabei kann sich die Veag auf eine Bestimmung im Energiewirtschaftsgesetz berufen, wonach die Durchleitung bis Ende 2003 verweigert werden kann, wenn dadurch die Stromerzeugung aus Braunkohle oder Kraft-Wärme-Koppelung gefährdet wird.Rund 90 Prozent des Veag- Stroms stammt aus Braunkohle.

Andererseits reagiert das Unternehmen mit Preisnachlässen für Sondervertragskunden auf die veränderte Marktlage.Dafür wurden mehr als 400 Mill.DM bereitgestellt.Im Schnitt könnten die Preise für Industriestrom so auf das westdeutsche Niveau fallen.Doch befürchtet Stotz, daß der alte Abstand durch Preissenkungen im Westen wieder hergestellt wird.

Weitere Spielräume für Preissenkungen sieht er vor allem bei den Regionalversorgern, wo ebenfalls ein Konzentrationsprozeß im Gang ist.Durch Rationalisierungen ergäben sich hier Spielräume in dreistelliger Millionenhöhe, die auch für Preissenkungen genutzt werden könnten.In den letzten Jahren hatten sich ostdeusche Stadtwerke zu Nachfragepools zusammengeschlossen, um in den Preisverhandlungen gegenüber dem Hauptlieferanten Veag stärker aufzutreten.

Der Stromabsatz sei 1998 leicht unter das Vorjahresniveau von 47,2 Mrd.Kilowattstunden gesunken, die Erlöse lägen aber deutlich unter den 5,2 Mrd.DM aus 1997.Dem Trend will man mit einer Verstärkung der Handelsaktivitäten, die 1998 rund zehn Prozent des Absatzes ausmachten, im In- und Ausland begegnen.Dabei wolle man auch von den Erfahrungen skandinavischer Stromerzeuger lernen, sagte Stotz weiter.

Erneut kritisierte er Bonner Pläne für eine Energiesteuer.Die Ost-Verbraucher würden so doppelt bestraft.Denn einerseits beteiligten sie sich bereits mit rund 1 Mrd.DM am Aufkommen für die Steinkohlesubvention, andererseits liege ihr Verbrauch aufgrund modernerer Geräte bereits jetzt unter dem westdeutschen Niveau.

Für die kommenden Jahre erwartet Stotz einen starken Konzentrationsprozeß in der europäischen Energiewirtschaft.Doch werde der Spielraum für Fusionen in Deutschland durch das Wettbewerbsrecht zu stark eingeengt.

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