Wirtschaft : Auch Eon erhöht die Strompreise

Nach RWE kündigt Eon höhere Preise für die Energie an / Hälfte des Stroms stammt aus Kernkraftwerken

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Düsseldorf (tas). Höhere Preise für Strom und ein besserer Energieabsatz lassen die Kassen der deutschen Versorger wieder klingeln. Wie RWE profitiert auch die Düsseldorfer Eon AG vom wieder profitablen Kerngeschäftsfeld Energie. Der Preiswettbewerb durch die 1998 vollzogene Liberalisierung des Strommarktes hat nachgelassen, Kosteneinsparungen führen zu verbesserten Gewinnaussichten. Da RWE im kommenden Jahr Strompreiserhöhungen durchsetzen will, versucht auch Eon an der Preisschraube zu drehen. „Wir gehen von einer weiteren Erholung der Strompreise aus. Wenn Verträge ablaufen, bemüht man sich natürlich, die Preise etwas zu erhöhen“, sagte ein Eon-Sprecher. Aufgrund der guten Geschäftsaussichten im Energiebereich bestätigte Eon am Mittwoch auch seine Ergebnisprognosen. Das Unternehmen rechnet im Gesamtjahr 2002 damit, das Betriebsergebnis aus dem Vorjahr (knapp 3,6 Milliarden Euro) übertreffen zu können. Allerdings werde sich die Steigerungsrate des ersten Halbjahres nicht halten lassen, schreibt Eon in einem Zwischenbericht. Denn hier haben sich vor allem Akquisitionen wie die des schwedischen Energieversorgers Sydkraft ausgewirkt.

Auf dem Weg zur Ergebnissteigerung ist Eon bereits im ersten Halbjahr ein großes Stück voran gekommen. Hier wurde mit knapp 2,4 Milliarden Euro ein Wachstum von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erreicht. Durch zahlreiche Sondereffekte sieht die Eon-Bilanz zur Jahresmitte 2002 noch besser aus: So kletterte der Konzernüberschuss um 203 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Dieser Anstieg erklärte sich aus Gewinnen, die beim Verkauf von Tochterunternehmen angefallen sind. Abgegeben wurden im vergangenen Jahr unter anderem VAW Aluminium und das Stahlhandelshaus Klöckner & Co. Während sich der Umsatz insgesamt um 15 Prozent auf 18,7 Milliarden Euro verringerte, verzeichnete das Energiegeschäft ein kräftiges Plus von 36 Prozent auf über 11, 9 Milliarden Euro. Nach der Einbeziehung von Sydkraft kommt die Hälfte des selbst erzeugten Stroms inzwischen aus Kernkraftwerken.

„Der Absatz an Tarif- und Privatkunden sowie an industriellen und gewerblichen Sondervertragskunden nahm deutlich zu“, begründet Eon das positive Abschneiden der Energiesparte. So konnten die Düsseldorfer ihren Stromabsatz in der ersten Jahreshälfte um 47 Prozent steigern. Ein Wermutstropfen kommt jedoch von der letzten großen Neuerwerbung Powergen. Der britische Versorger, der zur zweiten Jahreshälfte mit in die Bilanz der Düsseldorfer einfließt, werde zur „leichten Belastung des Konzernbetriebsergebnisses" führen. Anders als in Deutschland muss Powergen in seinem Heimatmarkt Großbritannien einen kräftigen Rückgang der Großhandelspreise für Strom hinnehmen. Die Ergebnisse in der Erzeugung seien deshalb rückläufig und würden nur zum Teil durch höhere Margen im Endkundengeschäft aufgefangen, begründete Eon.

Probleme gibt es auch in Übersee. Dort ist Powergen mit seiner US-Tochter LG&E Energy vertreten. Steigende Kohlepreise und konjunkturell bedingte Strompreissenkungen würden das Geschäft belasten. Wenig Freude bereitet zudem das Gasgeschäft in Argentinien. Hier bringt die Wirtschaftskrise und die starke Abwertung des Peso die Ergebnisse unter Druck.

Hypo-Vereinsbank-Anteile belasten

Eine unerwartete Belastung traf Eon aus dem 6,7-prozentigen Aktienpaket an der bayerischen Hypo-Vereinsbank, das Eon seit dem Jahr 2000 hält. Wegen des monatelangen Kursverfalls an den Börsen musste der Energiekonzern dafür eine Wertberichtigung in Höhe von rund 1, 2 Milliarden Euro vornehmen. Im weiteren Geschäftsjahr seien zusätzliche Wertberichtigungen wegen des beim Erwerb von Powergen entstandenen Goodwills möglich. Dennoch werde der Konzernüberschuss 2002 auf Grund umfangreicher Beteiligungsverkäufe den Vorjahreswert voraussichtlich deutlich übertreffen. Einig geworden ist sich Eon bereits über den Verkauf des Logistikunternehmens Stinnes. Für seinen 65-Prozent-Anteil erhält der Versorger von der Deutschen Bahn rund 1,6 Milliarden Euro. Im Zuge der Übernahme von Ruhrgas ziehen sich die Düsseldorfer auch aus dem Ölgeschäft (Veba Oel) und dem Chemiebereich (Degussa) zurück. Unsicher ist jedoch weiterhin, wann Eon Ruhrgas vollständig in seine Bilanz aufnehmen kann. Die zehn Milliarden Euro teure Übernahme wird derzeit noch durch eine Eilentscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf verhindert. Das Hauptverfahren soll voraussichtlich im Spätherbst eröffnet werden.

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