Wirtschaft : Auch Franzosen streiten über Arbeitszeiten

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Paris In Frankreich ist die 35-Stunden-Woche nicht mehr tabu. Ausgelöst wurde die neue Diskussion durch die Verlängerung der Arbeitszeit auf 40 Wochenstunden ohne Lohnausgleich in zwei deutschen Siemens-Werken. Mit Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft forderte Wirtschafts- und Finanzminister Nicolas Sarkozy jetzt eine „grundlegende Reform“ der Gesetze zur 35-Stunden-Woche. Regierungschef Jean-Pierre Raffarin zögert aber noch, das heiße Eisen wirklich anzupacken. In der vergangenen Woche sprach er lediglich davon, „die Zahl der Arbeitsstunden zu erhöhen“. Arbeitsminister Jean-Louis Borloo verwies gleichzeitig auf die Anfang 2003 realisierten Erleichterungen wie mehr erlaubte Überstunden. Diese Möglichkeiten sollten die Sozialpartner erst einmal voll ausschöpfen, sagte Borloo. Frankreich ist eines der wenigen Länder, in denen die Arbeitszeit nicht durch Tarifverträge sondern per Gesetz festgelegt ist. Von 1998 bis 2000 hatte die damalige sozialistische Regierung unter Lionel Jospin die Arbeitszeit in mehreren Gesetzespaketen auf 35 Stunden pro Woche begrenzt. Nach dem Regierungswechsel lockerte die neue Regierung Raffarin Anfang 2003 das Arbeitszeit-Gesetz: Das Kontingent der erlaubten Überstunden wurde auf 180 pro Jahr erhöht. Damit ist faktisch eine 39-Stunden-Woche möglich.

In der Bundesrepublik setzte sich am Wochenende die Debatte um längere Arbeitzeit fort. Der Präsident des Groß- und Außenhandelsverbandes, Anton Börner, regte die Kürzung des Urlaubs an. „Eine Woche weniger Urlaub bringt keinen um, schafft aber neue Jobs.“ Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp forderte eine Kostenentlastung. „Wenn wir in Deutschland Jobs halten und neue schaffen wollen, kommen wir nicht daran vorbei, die Kosten zu senken“, sagte Schrempp der „Bild“. ali/HB/Tsp

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