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Auch in Amerika bleiben die Zinsen mickrig : US-Notenbank senkt Wirtschaftsprognose - der Dax gewinnt dennoch

Die US-Notenbank strafft ihre Geldpolitik behutsam weiter - obwohl die Konjunktur schlechter läuft, als sie es erwartet hatte

Fed-Chefin Janet Yellen erklärte am Mittwoch die Zinspolitik der US-Notenbank Fed, die sie leitet.
Fed-Chefin Janet Yellen erklärte am Mittwoch die Zinspolitik der US-Notenbank Fed, die sie leitet.Foto: dpa

Die US-Notenbank sieht die amerikanische Wirtschaft insgesamt auf einem guten Weg. Die Konjunktur habe sich in den letzten Monaten nach einem schwachen Winter wieder erholt, teilte die Federal Reserve (Fed) am Mittwoch in Washington mit. „Wir haben weitere Zuwächse auf dem Arbeitsmarkt gesehen“, sagte die Vorsitzende Janet Yellen. Am Donnerstagmorgen sprang der deutsche Aktienindex Dax daraufhin wieder über die Marke von 10 000 Punkten.

Zwar werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr deutlich weniger zulegen als zuletzt erwartet. Dafür sinke aber die Arbeitslosenquote schneller als bisher gedacht. Ihre monatlichen Anleihekäufe zur Stützung der Konjunktur reduziert die Fed daher planmäßig weiter. Schnelle Zinserhöhungen sind aber weiterhin vorerst nicht zu erwarten.

Der Dax stieg kurz nach Börsenstart um 0,85 Prozent auf 10 015,04 Punkte. Damit ist er keine 20 Punkte mehr von seinem vor neun Tagen erreichten Rekordhoch entfernt. Da in manchen Bundesländern wegen des Fronleichnamsfestes Feiertag ist, wird insgesamt mit einem sehr ruhigen Handelstag gerechnet, was einen neuen Rekord begünstigen könnte.

Den Erwerb von langfristigen US-Staatsanleihen und Immobilienpapieren will die Fed derweil zum fünften Mal in diesem Jahr um 10 Milliarden Dollar (7,4 Mrd Euro) pro Monat zurückfahren. Damit sinkt die Summe von ursprünglich 85 auf künftig 35 Milliarden Dollar monatlich. Experten hatten mit dem Schritt gerechnet. Die Fed bekräftigte, sie wolle sich schrittweise von dieser außergewöhnliche Konjunkturmaßnahme verabschieden.

Die Arbeitslosigkeit geht kaum zurück

Der Leitzins hingegen werde noch „für längere Zeit“ unverändert zwischen null und 0,25 Prozent bleiben, da eine sehr lockere Geldpolitik vor allem wegen der erhöhten Arbeitslosigkeit unverändert angemessen sei. Auf diesem Rekordtief liegt der Zinssatz seit Ende 2008, als sich weltweit die schwere Finanzkrise ausgebreitet hatte. Eine deutliche Mehrheit der maßgeblichen Fed-Vertreter schätzt, dass er erst 2015 steigen werde. Yellen betonte erneut, dass es „keine mechanische Formel“ gebe, wann es zu Zinserhöhungen kommen könnte.

Für das laufende Jahr senkte die Fed ihre BIP-Prognose auf 2,1 bis 2,3 Prozent. Im März hatte sie noch ein Wachstum von 2,8 bis 3,0 Prozent erwartet. Für die kommenden beiden Jahre beließ die Fed die Vorhersagen jedoch unverändert bei 3,0 bis 3,2 Prozent (2015) und 2,5 bis 3,0 Prozent (2016). „Natürlich gibt es in dieser Prognose noch Unsicherheiten“, sagte Yellen.

Für den Arbeitsmarkt zeigen sich die Währungshüter wie bereits im März zuversichtlicher. Im laufenden Jahr rechnet die Notenbank nun mit einer Arbeitslosenquote von 6,0 Prozent bis 6,1 Prozent. Zuletzt hatte die Prognose zwischen 6,1 Prozent und 6,3 Prozent gelegen. In den nächsten beiden Jahren dürfte sich die Lage weiter verbessern. Derzeit liegt die Quote bei 6,3 Prozent.

Bei der Entwicklung der Verbraucherpreise geht es nach Einschätzung der Fed weiter in Richtung des von der Notenbank angepeilten Inflationsziels von 2 Prozent. Die für die Währungshüter maßgebliche Kerninflationsrate dürfte 2014 Jahr zwischen 1,5 Prozent und 1,6 Prozent liegen. Im März hatte die Fed noch 1,4 bis 1,6 Prozent erwartet. Im kommenden Jahr dürfte sich die Teuerung weiter in Richtung der Zielmarke bewegen, aber bis 2016 den angepeilten Wert nicht übersteigen. dpa

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