Wirtschaft : Auch in Berlin bestimmen Übernahmen den Trend

BERLIN (dr).Die Berliner Werte konnten sich in der vergangenen Börsenwoche der bundesweiten Abwärtsbewegung zwar nicht ganz entziehen, doch fielen die Verluste an der Spree in der Regel etwas geringer aus.Hieran zeigt sich wieder einmal, daß es sich eben nicht um große marktbestimmende Titel handelt, die sofort dem Trend folgen.Allerdings kann dies gefährlich werden, wenn die Anleger verstärkt Stockpicking betreiben.Dann können überproportionale Ausschläge durchaus die Regel sein.

Lange Zeit wenig beachtet, zogen die Aktien des Computerspezialisten Lobster in der vergangenen Woche kräftig an.Die Pressekonferenz in dieser Woche hat die Anleger offensichtlich beeindruckt.Und wenn dem Unternehmen das angepeilte rasante Umsatzwachstum tatsächlich gelingt, und wenn das Joint-venture mit dem US-Konzern Mylex tatsächlich die Erwartungen erfüllt, werden wohl auch die Aktionäre nicht zu kurz kommen.Immerhin hat der Aufsichtsratsvorsitzende ja bereits eine Dividende angekündigt, auch wenn er sich noch ein Hintertürchen offenließ und nicht ausschließen will, weitere Zukäufe zu tätigen.

Spätestens mit der Übernahme der Kölner Balou Entertainment hat sich die Deutsche Entertainment des Peter Schwenkow zum führenden deutschen Anbieter in der Show- und Tournee-Branche entwickelt.Namhafte Interpreten sind für die Zukunft verpflichtet, und so den potentiellen Zuhörern undZuschauern das Geld nicht ausgeht, dürfte es bald in den Kassen der Deutschen Entertainment klingeln.Dann dürfen auch die Anleger hoffen, einen Teil davon zu sehen.Sie honorierten dies schon einmal mit Käufen, so daß der Kurs der Aktien um 34,5 Prozent stieg.

Sorgenkind bleiben Sero.Dort ist die Situation dort so undurchsichtig, daß nur noch wagemutige Anleger in diesen Titel investieren.Zwar haben die Banken versprochen, stillzuhalten, aber damit gehorchten sie wohl eher der Not.Bei Verbindlichkeiten von rund 900 Mill.DM, die Sero angehäuft hat, läßt man einen Schuldner nicht mehr fallen.Aber die personelle Situation bei dem Entsorger ist nicht geklärt, der Vorstand wagt es nicht einmal mehr, die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft glattweg abzustreiten, sondern versucht - mit einem ehemaligen Polizeidirektor - den Schaden zu begrenzen.Der Bestand des Unternehmens soll gesichert sein, doch ob es je zu der Neuordnung des Konzerns kommen wird, steht mehr denn je in den Sternen.

Eine neue europäische Pharma-Fusion wird angekündigt - und wer profitiert? Natürlich Schering.Die Weddinger schwimmen gegenwärtig auf einer Erfolgswelle.Da bleibt nur zu hoffen, daß Schering realistisch bleibt, denn auch ein Kursgewinn von fast drei Prozent, wie in dieser Börsenwoche, ist schnell wieder zeronnen.Mit den stetigen Kursgewinnen wird Schering als Übernahmekandidat zwar teurer, aber sicherlich hofft gerade darauf der ein oder andere Investor.Auch wenn der Vorstand geradezu gebetsmühlenartig betont, man wolle unabhängig bleiben.Zu Herlitz fehlt offenbar nach wie vor das Vertrauen.Ein Kurs von 59 DM wie zur Kasse am Freitag ist nun wahrlich kein Ruhmesblatt und zeugt nicht davon, daß die Anleger vom Erfolg des Umstrukturierungsprogramms überzeugt sind.Nun macht der Papierhersteller und -verkäufer einen nicht unerheblichen Teil seines Geschäfts im 4.Quartal.

Eher zufällig dürfte die Abwärtsbewegung von Otto Reichelt sein.Nachdem die konsumnahen Werte von sehr vielen Analysten empfohlen worden sind, und die Gerüchte über mögliche Übernahmen im Lebensmitteleinzelhandel nur so sprießen, sollte dieser Wert eigentlich besser dastehen.

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