Wirtschaft : Auch in der Krisegibt es Gewinner

MARKUS GÄRTNER (hb)

Malaysias Plantagenfirmen ein "bekannter Geheimtip"VON MARKUS GÄRTNER (hb)Mitten im Börsentaumel zwischen Seoul und Singapur haben einige Dutzend Aktien den Kursgewittern getrotzt.Unbeeindruckt von fallenden Wechselkursen und Hiobsbotschaften legten sie beachtlich zu.Die lachenden Dritten in Asiens Dauercrash sind Firmen, die von sinkenden Wechselkursen profitieren, weil sie ihre Rechnungen in Dollars ausstellen und beim Umtausch der Erlöse in die heimische Schwachwährung immer mehr bekommen.Es sind aber auch Firmen, die Produkte anbieten, die selbst in der Flaute gekauft werden, wie Strom und Wasser.Eines der eindrucksvollsten Beispiele ist SM Prime auf den Philippinen, die Einkaufszentren baut.Das Unternehmen hat 10 Mrd.Pesos in der Kasse, braucht aber nur 1,5 Mrd.für eine neue Mall.Die Expansionspläne sind also gesichert.Der vielleicht größte Krisengewinnler dürfte die Philippine Long Distance Telephone Company sein.PLDT speist 50 Prozent der Gewinne aus Ferngesprächen, die in Dollar abgerechnet werden.Die Firma darf zudem ihre Gebühren anheben, wenn der Peso an den Einnahmen zehrt.Damit hat PLDT eine "Lizenz zum Gelddrucken", weil jährlich die Zahl der Telefonanschlüsse um fünf Prozent ausbaut wird.Ein typischer Wechselkurs-Profiteur ist auch OYL in Malaysia.Der Hersteller von Kühlschränken und Klimaanlagen erwirtschaftet zwei Drittel der Einnahmen im Hartwährungsbereich.Auch bei PNE, einem malaysischen Hersteller von Schaltkreisen, explodieren Dank der Ringgit-Abwertung um rund 40 Prozent die Exporterlöse.Dieser Effekt hat auch Malaysias Plantagenfirmen zu bestens bekannten "Geheimtips" gemacht.Selbst Premierminister Mahathir rief die Malaysier dazu auf, Plantagenaktien zu kaufen.Weil Palmöl und Kautschuk auf dem Weltmarkt in Dollar abgerechnet werden, sprudeln die Exporteinnahmen wie nie zuvor.Palmöl ist im Sog der Währungskrise um bis zu 70 Prozent teurer geworden.Bei abgestürzten Aktienpreisen läßt es sich auch gut um die "Bräute" der Börse buhlen.Zum Beispiel um Nischenanbieter in Südkorea, wie Samkwang Glass, von deren Aktien bisher nur zehn in ausländischer Hand waren.Jetzt gehören 30 000 Anteilsscheine Investoren aus Übersee.Ein bekannter Übernahmekandidat ist das Jardine-Matheson-Imperium in Hongkong.Es gehört der reichen schottischen Keswick-Familie, die den Firmensitz schon vor zehn Jahren auf die Bermudas verlegte.Um potentielle Aufkäufer am Einstieg zu hindern, wurde der Übernahme-Code der Bermudas angenommen: Der Erwerb von nur drei Prozent der Aktien muß gemeldet werden.Das zwingt übernahmehungrige Milliardäre wie Jardine-Fan Li Ka-shing dazu, auf seine neuesten Akquisitionen aufmerksam zu machen.Das aber treibt den Preis und verringert die Gefahr einer feindlichen Übernahme.

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